Minimalistisches Kleinod: Loft in Jaffa

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Text: Kathrin Spohr
Foto: Gideon Levin

Das israelische Designstudio ETN hat mit dem Apartment Ax3 in Jaffa, dem ältesten Quartier und Szeneviertel von Tel Aviv, ein minimalistisches Kleinod geschaffen. Die lichtdurchfluteten Räume sorgen für Dynamik im Alltag einer jungen Familie. 

Vom Balkon aus schaut man direkt auf ein ehemaliges, leerstehendes Militärgebäude. „Das gibt dem Apartment seinen magischen Charme: Man blickt auf die sonst unbeachtete Fassade, die jetzt von Vögeln bewohnt wird, auf zerbrochene Fenster, sogar altes Mobiliar – eine Vielschichtigkeit, die wir in der neuen Innenraumgestaltung durch einen Mix an Materialien spiegeln wollten“, erklärt Eitan Cohen, Gründer von Studio ETN.

Fusion aus Alt und Neu
Die Ästhetik des Appartements ist auf subtile Weise mit dem Stil der Stadt verwoben: eine Fusion aus Alt und Neu, aus lokalen Materialien und industriellem Charme. Sattes Schwarz fungiert im gesamten Farbkonzept als ein alles verbindendes und auch für Ruhe sorgendes Leitmotiv: ob an der Decke bei den Belüftungsrohren, dem Küchenblock, den Gestellen und Beinen des Mobiliars, den Spots an der Decke, Bilderrahmen oder sogar Blumentöpfen.

Der rohen Handschrift aus grauem Estrichbeton, Glas und Metall begegnete der Architekt mit warmen Farben und Materialien: etwa die maßgeschneiderte Küche in überraschendem Pastellgrün. Oder das messingfarbene Küchenregal, das unterschiedlichste Pflanzen präsentiert und so zur „Botanical Wall“ wird. Auch Elemente wie der Loungesessel in zartem Rosé oder die Lesenische aus grünem Samt, die in einen Schrank im Arbeitsbereich eingelassen ist, steigern das Zuhause-Gefühl. Im minimalistisch wirkenden Open Space überraschen perfekt ausgearbeitete Details: Dazu zählen etwa die Übergänge zwischen Terrazzo und Beton, die durch ein Messingprofil kunstvoll voneinander getrennt werden.

Subtile Raumgliederungen
Das Layout des 90 Quadratmeter großen Appartements mitten in Jaffa entsprach nicht den Bedürfnissen der Familie mit kleinem Kind. Vor allem war die Wohnung in einigen Bereichen zu düster. Es sollte ein helles, einladendes Zuhause entstehen, gepaart mit einem wohnlichen, repräsentativen Flair. Denn eines der beiden Elternteile arbeitet als Koch und ist ein begnadeter Gastgeber, beschreibt Cohen die Bauherren.

Hohe Decken und Holzjalousien an den Fenstern, typisch für traditionelle Wohnungen in Jaffa, sind so ungefähr das Einzige, was Architekt Cohen vom ursprünglichen Apartment übrig ließ. Der Rest unterlag radikalen Umbaumaßnahmen. Vor allem wurden Wände eliminiert: Zwischen zentralem Wohnraum und Schlaf- beziehungsweise Arbeitszimmer befinden sich statt Fluren nun Raumteiler aus Glas, elegant eingefasst von schwarzen, belgischen Profilen. Auch die Küche wurde zum Wohnraum geöffnet – die perfekte Bühne für den Koch.

Materielle Mixturen 
Obwohl das Apartment der Open Space-Idee folgt, sind die einzelnen Funktionsbereiche – Arbeiten, Schlafen, Wohnen, Kochen, Essen – durch unterschiedliche Bodenmaterialien definiert: im Wohnbereich ein Mix aus grauem Estrich und weichem Teppich, in der Küche Terrazzo, im Bad Fliesen und im Schlafbereich Teppich. Durchgänge und Laufwege zwischen den Raumzonen wurden möglichst weit gestaltet. So ist genügend Platz geschaffen, damit unterschiedliche Aktivitäten der Familienmitglieder parallel stattfinden können. Nur das Kinderzimmer definiert einen privaten Rückzugsort, der mit Wänden vom Wohnraum abgetrennt wurde und als rosane Farbwelt auch ästhetisch eine eigene Richtung einschlägt. 

Aus der ursprünglichen Wohnung mit vielen kleinen Zimmern ist ein großzügiges Raumkontinuum entstanden. Tagsüber wird es mit natürlichem Licht der sonnenverwöhnten Stadt durchflutet. In den Abend- und Nachtstunden werden die Räume mit verschiedenen Lichtlösungen in eine warme Atmosphäre getaucht.

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