Moderner Schrein

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Text: Claudia Simone Hoff

Die Kirche wird zur Küche – zumindest bei diesem Projekt in Antwerpen, das der niederländische Designer Piet Boon zusammen mit Studio Job und .PSLAB umgesetzt hat. The Jane kombiniert die imposante Architektur eines Kirchenraums mit einem reduzierten Interior in gedeckten Farben, modern interpretierten Glasfenstern und einem ausgeklügelten Lichtkonzept.

Es gibt Buchläden in säkularisierten Kirchen. Ebenso wie Hotels und Kochschulen. Oder eben Restaurants. So wie im Antwerpener Stadtteil Groen Kwartier, wo Piet Boon für den 3-Michelin-Sterne-Koch Sergio Herman und seinen Küchenchef Nick Bril die Kapelle eines ehemaligen Militärhospitals in ein stilvolles Restaurant-Interior verwandelt hat. Neue Glasfenster und eine raffinierte Lichtinstallation laden den Kirchenraum zusätzlich atmosphärisch auf.

Rundgang
Sitzen
Im Zentrum des mit einem freigelegten Tonnengewölbe überspannten Kirchenraums liegt der Restaurantbereich. 65 Sitzplätze verteilen sich auf lederbezogene Stühle, an den Wänden entlanglaufende Bänke, Sofazonen und filigrane Cocktailsessel. Im Unterschied zum farbintensivem Fensterprogramm von Studio Job ist das Interior schlicht gehalten. Aufbauend auf dem Kontrast zwischen weiß getünchten Wänden und überwiegend schwarzem Mobiliar, setzt Piet Boon auf zurückhaltende Farbakzente. So sind die Cocktailsessel in zartes Blau-Grün getaucht – was vornehm wirkt –, und nehmen die Farbe der Stoffbespannungen an den Seitenwänden auf. Kontrastierend dazu liegen Kissen im Leoparden-Look auf den Sofas. Am hinteren Ende des Gastraums – dort, wo sich ursprünglich der Altar befand – liegt die Edelstahlküche. Sie ist durch Glasscheiben einsehbar, was ihr einen gewissen Showcharakter verleiht. Die Höhe der Kirchenhalle nutzend, befindet sich auf der Empore eine Bar mit vierzig Plätzen, gruppiert um einen u-förmigen Tresen mit Natursteinplatte.

Leuchten
Das Lichtkonzept des libanesischen Designbüros .PSLAB komplettiert das Interiordesign. Über dem zentralen Gastraum hängt ein moderner Kronleuchter, der 800 Kilogramm wiegt und zwölf mal neun Meter misst. Er ist schon aufgrund seiner schieren Größe das Herzstück des Kirchenschiffs. Auf 2,75 Meter Höhe angebracht, überkrönt er nicht nur die Sitzplätze. Er hält den sehr hohen Raum auch optisch zusammen, indem seine metallenen schwarzen Tentakel weit in den Raum hineinragen – am jeweiligen Ende mit einer Glühlampe versehen. Tischleuchten mit einem runden Leuchtkörper aus Messing ergänzen das elegante Interior.

Apropos Licht. Wie es sich für eine (ehemalige) Kirche gehört, spielen Glasfenster eine entscheidende Rolle für die Ästhetik des Innenraums. Durch sie wird nicht nur das einfallende Licht farbig gebrochen. Die Fenster erzählen etwas über die Funktion des Raums. Nynke Tynagel und Job Smeets, die Gründer von Studio Job, fanden nicht nur die leer stehende Backsteinkirche und empfahlen sie Sergio Herman als passenden Ort für ein Restaurant. Studio Job vermischen in ihren Fensterentwürfen Sakrales mit Profanem. Auf den insgesamt fünfzehn Fenstern mit insgesamt mehr als 500 Glaspaneelen trifft deshalb Jesus am Kreuz auf Totenschädel, Sonnenblumen, Schneebesen, Croissants und Softeiswaffeln.
Glasfenster von Studio Job
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Fließen
Das Interior des Restaurants ist durchdacht bis ins letzte Detail, was sich auch im Küchenarbeitsbereich und in den Waschräumen zeigt. Schlicht und elegant in der Formgebung, greifen die Elektronikwandarmaturen Uno2 aus der Axor Manufaktur in gebürstetem Black Chrome die dunklen Designakzente des Gastraumes auf. An der Spüle im Küchenbereich wird der Küchenmischer Axor Citterio SemiPro – dessen ergonomische Hebelgriffe besonders leicht zu bedienen sind – mit dem Küchenmischer Talis von Hansgrohe kombinert.
In Küche & Bad mit Axor
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Warten
Das Interior ist Piet Boon im Zusammenspiel mit den Designbüros Studio Job und .PSLAB gelungen. Vor allem deshalb, weil er das beeindruckende Kircheninnere in den Mittelpunkt seiner Gestaltung gerückt hat. Hochwertige Materialien wie Naturstein, Leder und Eichenholz betonen den High-End-Charakter des Restaurants. Das ist übrigens ausgestattet mit Tableware, die ebenfalls aus der Feder niederländischen Designers stammt. Base, produziert von Serax, ist im Kleinen, was The Jane im Großen ist: elegant, schlicht und zeitgemäß. Spontanbesuche sind im Restaurant übrigens derzeit nicht möglich. Ganze drei Monate vorher muss man einen Tisch reservieren.

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