Monolith mit Innenleben

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Text: Jasmin Jouhar


Das neue Theater im spanischen Lleida ist zweifellos ein markanter Monolith mit hohem Wiedererkennungswert. Trotzdem ist es dem niederländischen Büro Mecanoo Architecten gelungen, den Theater- und Kongresszentrumsneubau mit Namen „La Llotja“ im Gefüge der katalonischen Großstadt zu verankern. Einerseits sticht das Haus mit seiner kolossalen Auskragung und der Pixelfassade heraus, andererseits aber passt sich der Solitär städtebaulich zwischen dem die Stadtsilhouette dominierenden Berg Turó de la Seu und dem Fluss Segre ein. Und mit „La Llotja“ bekommt Lleida nicht nur ein Icon Building für das Stadtmarketing, sondern auch einen neuen urbanen Raum mit Freilichttribüne, wettergeschützten Flächen und einer öffentlichen Dachterrasse.



Mecanoo konnte 2005 gemeinsam mit ihrem spanischen Partnerbüro LABB Arqitectura den Wettbewerb für das Neubauprojekt für sich entscheiden, in diesem Jahr wurde das Haus fertiggestellt. Der horizontale, wie aus dem Boden wachsende Bau auf einem neu angelegten Platz umfasst ganz unterschiedliche Nutzungen: Es gibt einen Theatersaal mit 1000 Plätzen, der auch zum Auditorium umfunktioniert werden kann. Zudem stehen zwei Konferenzsäle mit 400 und 200 Plätzen und die Freilichttribüne auf dem Platz zur Verfügung. Restaurants, eine Bar, ein VIP- und ein Pressebereich und der Dachgarten runden das Programm ab. Das Herz des Hauses ist das große Foyer im zweiten Obergeschoss, von dem aus die Besucher das Theater und die Konferenzräume erreichen können. Es liegt in der Auskragung und bietet dank des umlaufenden Fensterbandes grandiose Ausblicke auf die Stadt.

Funktion statt Bildhaftigkeit

Der Charakter der Innenräume unterscheidet sich deutlich vom Außenbau: Während dort der kantige, gleichwohl abstrakte Körper mit Bühnenturm und Auskragung dominiert, wirkt das Innere weniger auf eine eingängige Idee zugeschnitten. Es ist heller, als es von außen erscheint. Und mit den orthogonalen Räumen, weißen Wänden und Holzböden auch nüchterner und weniger spektakulär. Farbige Felder sollen die Orientierung in den verschiedenen Ebenen und Foyers erleichtern. Die Innenräume sind stärker an Funktionalität als an Bildhaftigkeit orientiert. Eine Ausnahme macht da der große Theatersaal, in dessen Holzwände dekorative Lichtbänder in Form von stilisierten Bäumen geschnitten sind. Nach Aussage der Architekten eine Reminiszenz an den Obstanbau in der Region von Lleida. Sowohl das Theater als auch die Konferenzräume sind mit dem Sesselmodell Prima des spanischen Herstellers Dynamobel ausgestattet. Die verschiedenen Rot- und Lilatöne der Sessel sollen auch auf das Obstthema verweisen und verleihen den Sälen ein lebendiges Bild.

Eine Dachoase

Im wahrsten Sinne der Höhepunkt des Hauses ist das Dach: Mecanoo zogen die Pixelfassade aus Steinplatten auch über die Dachfläche, so dass die meisten Aufbauten unter abstrakten Hügeln verschwinden. Dominiert von der Vertikalen des Bühnenturms, entsteht so eine regelrechte Dachlandschaft. Die Aufenthaltsqualität wird sicher noch steigen, wenn die bislang karge Begrünung einmal die Pergolen überwuchert und schattige Plätze geschaffen hat. Dann kann der Garten auch seinen Teil zur Kühlung des Hauses im heißen spanischen Klima leisten. Aber schon jetzt ist das Dach zweifellos ein echter Anziehungspunkt, bietet es doch einen spektakulären Panoramablick über Altstadt und Fluss.

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