Monsieur Etienne: Loft in Paris

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Text: Jana Herrmann
Foto: Manuel Zublena

Ein anspruchsvoller Privatier kaufte sich in Paris eine Wohnung, die ihm zunächst gar nicht gefiel – und beauftragte mit dem Komplettumbau ein Architekturbüro, das auf die Sanierung von kommerziellen Großprojekten spezialisiert ist. Das Resultat ist ein luftiges Loft, dessen Zentrum eine Badebox markiert, die mit allen anderen Wohnbereichen kommuniziert.

Mehr als zehn Jahre suchte Thomas Pons nach seiner Traumwohnung, von der er ganz konkrete Vorstellungen besaß. Sie sollte sich im Zentrum von Paris befinden, großzügig geschnitten sein und über eine fließende Raumstruktur und ein modernes Flair verfügen. Erworben hat er letztendlich ein Objekt, das nur ein einziges dieser Kriterien erfüllte: Sein neues Zuhause liegt in der rue Etienne Marcel, im zweiten Arrondissement der französischen Metropole.

Das Gegenteil
Die restlichen Eigenschaften der Wohnung verkörperten dagegen das genaue Gegenteil seiner Erwartungen. Die insgesamt 90 Quadratmeter waren in mehrere enge, teils verwinkelte Zimmer und dunkle Flure zerstückelt. Das Badezimmer besaß kein Fenster, und auch der allgemeine Zustand der Immobilie war mehr desolat als modern. Dementsprechend war von vornherein klar: Eine Alternative zum kompletten Umbau des Apartments gab es nicht. Den Auftrag dazu erteilte der Franzose seiner langjährigen Bekannten Anne-Cécile Comar, Mitbegründerin des Atelier du Pont, das Büros in Paris und Lyon führt. Für die Architektin und ihr Team bedeutete der Auftrag weitaus mehr als ein ambitionierter Freundschaftsdienst, denn sie sind auf die Konstruktion und Sanierung von kommerziellen Großprojekten spezialisiert.

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Fundamentale Überraschungen
Eine willkommene Begebenheit präsentierte sich gleich zu Beginn der Renovierungsarbeiten: Unter den zahlreichen Aufteilungen befand sich keine einzige tragende Wand. Weil sich der Auftraggeber maximales Raumvolumen wünschte, konzipierte Anne-Cécile Comer den neuen Grundriss der Wohnung „wie einen einzigen, durchgängigen Raum“, der lediglich durch künstliche Lichtquellen und natürliches Tageslicht strukturiert wird.

Kastenförmiger Mittelpunkt
Das tatsächliche Highlight des Projektes Monsieur Etienne ist das neue Badezimmer im Zentrum der Wohnung. „Wir haben einen massiven Block aus Terrazzostein in den nackten Raum gesetzt, der mit allen anderen Wohnbereichen kommuniziert“, erklärt Anne-Cécile Comar. In eine der mit Sperrholz verkleideten Außenwände wurde eine offene Küchenzeile integriert, die vom Ess- und Wohnbereich zugänglich ist. Eine visuelle Verbindung zur gegenüberlegenen Seite des Appartements bietet die Schrankwand im Schlafbereich, die ebenfalls mit Sperrholzplatten verkleidet ist.

Viel Platz für Qualität
Beachtenswert sind die hochwertigen Accessoires und Materialien, mit denen das Atelier du Pont das Projekt innenarchitektonisch ausgestattet hat. So ergänzen sich im Badezimmer der Terrazzo mit weißen Marmorsplittern mit den grafischen Mustern der Bodenkacheln. In den Wohnbereichen harmonieren blaugraue Stoffbezüge mit den Sandsteinwänden des Haussmann-Gebäudes und dem Eichenparkett mit Fischgrätmuster. Außerdem finden sich zwischen den maßgefertigten Möbeln in zuverlässiger Regelmäßigkeit Wandleuchten von Le Corbusier – dem das Projekt Monsieur Etienne als Visionär der Moderne sicherlich auch gut gefallen hätte.

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