Münchner Freiheit

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Text: Katja Neumann


Bei dem Stichwort U-Bahnhof denken die meisten zunächst an laute, dreckige, funktionale Tunnel, in denen schlechte Luft herrscht. Zwar mag das oftmals zutreffen, dennoch sind viele U-Bahnhöfe dieser Welt mehr als stickige Untergrund-Stationen. Man denke nur an die historischen U-Bahn-Stationen in Russland, die, reichlich geschmückt, eher Palästen als Abfertigungshallen ähneln. Nicht ganz so prunk-, aber auch nicht weniger geschmackvoll wollen die Münchner Verkehrsbetriebe nun die älteste U-Bahn-Station der Stadt auf Vordermann bringen.


1971 wurde der U-Bahnhof Münchner Freiheit mit der Eröffnung der Münchner U-Bahn in Betrieb genommen. Geplant von Paolo Nestler in Zusammenarbeit mit dem städtischen U-Bahn-Referat erhielt der Architekt für den Bahnhof mit den charakteristischen blauen Säulen damals sogar eine Auszeichnung vom Bund Deutscher Architekten. Fast vierzig Jahre später ist der stark frequentierte U-Bahnhof in die Jahre gekommen. Die Zeit und die täglich rund 50 000 Fahrgäste haben ihre Spuren hinterlassen. Im Zuge der grundlegenden Neugestaltung des U-Bahnhofes wird auch das Lichtkonzept komplett erneuert und für dieses Projekt engagierten die Münchner keinen Geringeren als den Lichtdesigner Ingo Maurer.

Fertigstellung 2009


Der in München ansässige Ingo Maurer arbeitete bereits zwei Mal für die U-Bahn. 1998 entwarf er die Beleuchtung des U-Bahnhofs Westfriedhof der Linie U1, ein Jahr später die der Station Moosfeld auf der Linie 2. In Kürze sollen die Bauarbeiten zur Umgestaltung beginnen, bis Herbst 2009, zeitgleich mit der Eröffnung der neuen Trambahnlinie 23, sollen die Baumaßnahmen an der U-Bahnstation Münchner Freiheit abgeschlossen sein. Ausgangspunkt der Sanierung waren dringend notwendige Instandsetzungsmaßnahmen sowie Verbessrungen im Brandschutz, der an heutige Standards angepasst werden muss. Somit entschlossen sich die Stadtwerke München und die Münchner Verkehrsgesellschaft (SVM/MVG) dazu, im Zuge dessen auch gleich eine gestalterische Aufwertung vorzunehmen.

Wie wird der Bahnhof aussehen?


Zu diesem Zweck wurde das Baureferat der Stadt München mit einem Gestaltungskonzept beauftragt, das unter anderem vorsieht, die vorhandene Balkonbrüstung am Abgang zum Bahnsteig durch eine Glasbrüstung zu ersetzen sowie die gesamte Möblierung wie Sitzbänke und Abfalleimer zu modernisieren. Darüber hinaus soll der U-Bahnhof eine behindertengerechte Ausstattung erhalten. Um den Zugang zu den U-Bahnen zu erleichtern, werden somit die Bahnsteige um einige Zentimeter erhöht. Auch ein Blindenleitsystem mit taktilen Bodenbeläge und Signalstreifen soll eingeführt werden.

Wie der U-Bahnhof nun tatsächlich im Herbst 2009 aussehen wird, darüber ist man sich anscheinend noch nicht einig. „Farbe und Materialstruktur der Oberflächen sind für das Licht in Innenräumen entscheidend“, so Ingo Maurer. „Es geht nicht nur darum, über die richtigen Leuchtmittel und deren ideale Platzierung nachzudenken. Ohne Einflussnahme auf Wände, Decken und Boden ist es nicht möglich, ein wirklich gutes Lichtkonzept umzusetzen. Daher haben wir der SVM/MVG mehrere Änderungen vorgeschlagen, die das bestehende Konzept optimieren.“

Blau, Gelb und Spiegeldecke


In Anlehnung an die Planung des Münchner Baureferats werden also die Decken mit verspiegeltem Material verkleidet, allerdings nicht champagnerfarben, sondern silbern. Dadurch wird die Raumhöhe optisch vergrößert. Statt des hellgrauen Granits stellt sich Maurer auch für den Boden eine silbrige Oberfläche vor. Im Idealfall soll für Wände und Böden das selbe Material verwendet werden, wahrscheinlich ein Naturstein. Die Grundbeleuchtung wird durch quadratische Lichtkassetten erzeugt, die frei an der Decke verteilt sind und so den statischen Eindruck des Bahnsteigs auflockern. Die Kassetten neigen sich in einem leichten Winkel aus der Decke heraus, wodurch eine gleichmäßige Beleuchtung erreicht wird. Hinter den Gleisen sollen die großflächigen Wände eine kräftige, leuchtend gelbe Farbe erhalten. Dazu soll eine Akzentbeleuchtung die Farbe der blau gekachelten Pfeiler intensivieren.

Wie die U-Bahn-Station im Endeffekt auch aussehen wird, eines ist ziemlich sicher: die Münchner Bürger dürfen sich auf ein neues Highlight unter der Stadt freuen. Nach dem von dem Künstler Franz Ackermann poppig-bunt gestalteten Bahnhof Georg-Brauchle-Ring oder den futuristischen Bahnhof Brudermühlstraße gibt es bald eine neue Attraktion im Untergrund: die „Münchner Freiheit“.
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