Musik für die Augen

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Text: Nina C. Müller

Partner: Osram

Ihre Handschrift ist so expressiv wie sensibel, ihre Architektur so zeitgenössisch wie zeitlos: Das spanisch-italienische Duo Barozzi Veiga baute mit der neuen Philharmonie im polnischen Stettin ein Gebäude, das mit seinen transluzenten Glasfronten wie ein schieres Monument anmutet. Eine Skulptur des Lichts, die gerade mit dem renommierten Mies van der Rohe Award ausgezeichnet wurde.



Sie sollte genau dort stehen, wo am Ort des kriegszerstörten Konzerthauses nur noch ein Parkplatz war. Nun ragt an der Stelle, wo die Stettiner Alt- und Neustadt zusammentreffen, ein Gebäude empor, das mit seinen zahlreichen Spitzdächern wie eine ganze Häusersiedlung, fast wie eine kleine Stadt, anmutet. Tatsächlich bietet die neue Philharmonie mit ihrer enormen Eingangshalle, einem Kammermusiksaal und einem Multifunktionsraum Platz für ganze 1.200 Zuschauer.

Schnee von morgen
Eigentlich zitieren die Architekten, die ein Büro in Barcelona führen, damit allerdings auf eigenständige Weise die traditionellen Steildächer, wie sie für die Stettiner Architektur typisch sind. Wäre sie nicht im Herbst eröffnet worden, so hätte man beinahe denken können, der schneeweiße Monumentalbau wäre vollkommen eingeschneit gewesen. Und auch im Inneren erscheint er mit seiner weißen Eingangshalle, der schlichten Formensprache und den facettierten Holzvertäfelungen – auch wenn gerade Sommer ist ­– wie aus einem Wintermärchen.



Kleine Details mit großer Wirkung

Doch was tagsüber in strahlendem Weiß erscheint, wird bei Einbruch der Dunkelheit zu einem lebendigen Spiel aus Licht, Farbe und Grafik. Dafür kam eine Medien- und Fassadenbeleuchtung von Osram zum Einsatz. Diese wiederum ist zusammengesetzt aus 25.000 speziell gefertigten LED-Lichtpunkten, die auf die Umgebung reagieren und, jeder für sich, individuell gesteuert werden können. An flexiblen Kabeln zwischen Wänden und Glasummantelung befestigt, erscheinen die kleinen Leuchtdioden zwar dezent und unscheinbar. Bei Nacht jedoch verwandeln sie den ganzen Bau in eine enorme Leinwand, die mit unzähligen Farbtönen – in Form von monochromen Flächen wie auch als exakt wiedergegebenen Bildern und Schriften – statisch und dynamisch bespielt werden kann.

Kristallpalast

Dazu kommen entweder eine manuelle Steuerung zum Einsatz oder aber ein Sensor, der erkennt, wenn die Sonne untergeht. Dann lässt er das Spektakel bei Dämmerung automatisch beginnen. Um Mitternacht schaltet er ab. In diesem unbeleuchteten Zustand lassen die transluzenten Fronten die Innenraum-Belichtung subtil durchscheinen. Das Ergebnis ist ein stimmungsvolles, gedämpftes Licht, das den Bau wie einen übergroßen Lampion aussehen lässt. Tagsüber hingegen strömt das Sonnenlicht ins Innere, wodurch er großzügig von natürlicher Beleuchtung profitiert und in brillantem Weiß erscheint. Dann erinnern die spitz zulaufenden Dächer ein wenig an das geometrische Gebilde eines Kristalls. 



Sicher bietet die neue Stettiner Philharmonie ihren Gästen wahre Erlebnisse der Akustik. Doch auch für das Auge hat sie einiges zu bieten und das nicht nur dem, der sie betritt: Fabrizio Barozzi und Alberto Veiga entwarfen – mit der Technik von Osram und Traxon – eine ikonische Architektur mit erhebenden Formen und fast erhabenen Lichteffekten.

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