Nachhaltiges Wohnen in Australien

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Text: Judith Jenner
Foto: Benjamin Hosking

In manchen Lebensphasen ist weniger mehr, zum Beispiel, wenn die Kinder aus dem Haus sind und die alte Wohnung einfach zu groß geworden ist. Für ein Paar, das sich verkleinern und einfacher leben wollte, plante das Büro TRIAS aus Sydney im australischen Küstenort Stockton mit begrenztem Budget das preisgekrönte Three Piece House für den neuen Lebensabschnitt.

Ein einstöckiges Wohnhaus und ein zusätzliches Studio sollten auf dem Eckgrundstück Platz finden. Um die Privatsphäre der Bauherren in dieser exponierten Lage zu wahren, sind die drei Gebäudeteile schräg zueinander geplant: Das Haupthaus gliedert sich in zwei Pavillons – einem zum Wohnen und einem zum Schlafen. Ein Lesekorridor, der beide verbindet, gibt den Blick in den Garten frei und ist im Winter von Norden her sonnendurchflutet. Um dem begrenzten Budget der Bauherren gerecht zu werden, stehen die Räume in einem kompakten Verhältnis zueinander, das großzügige Deckenhöhen und Fenster zum Himmel und zum Garten hin ausgleichen.

Sockel statt Stelzen
Aufgrund der geltenden Auflagen zum Hochwasserschutz setzten die Architekten das Haus statt wie üblicherweise auf Stelzen auf einen massiven Backsteinsockel, eine Lösung, zu der die Architekten der Text „Platforms and Plateaus“ von Pritzker Preisträger Jørn Utzon inspirierte. Diese Bauweise gibt ihm Präsenz und Gewichtigkeit.

Backstein mit Geschichte
Die im Rahmen des Projektes verwendeten Ziegel wurden aus dem auf dem Grundstück vorgefundenen Haus – einem unscheinbaren Bungalow aus den Vierzigerjahren – wiederverwertet. In Anspielungen auf seine äußere Struktur findet sich das Material auch im Inneren des Hauses mit seinen 114 Quadratmeter Wohnfläche wieder. „Wir wollten, dass sich der Innenraum warm und einladend anfühlt, mit viel Licht und natürlicher Textur“, erläutert Architektin Jennifer McMaster von TRIAS das Einrichtungskonzept. „Das Interieur sollte einfach sein und als neutraler Hintergrund für die persönlichen Dinge und Möbel unserer Kunden dienen.“ Dafür setzte sie auf eine zurückhaltende Kombination von Weiß und Holz. So kamen Einbauten aus Birkensperrholz und Eichendielen zum Einsatz. An einigen Stellen treten auch im Inneren die recycelten Ziegel in Erscheinung, zum Beispiel bei der Kücheninsel oder am Kamin.

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Altes und Neues
Die meisten Möbel stammen von den Bauherren. Bei der Küche, der Garderobe oder dem Spiegel im Bad handelt es sich jedoch um Anfertigungen nach Plänen der Architekten. „Die Innenräume sind sehr einfach und zeitlos, genau wie das Äußere“, erklärt Jennifer McMaster die Relation vom Interieur zur Architektur des Hauses. „Während das Äußere jedoch rau und strukturiert ist, ist das Innere ruhiger und raffinierter. Dadurch fühlt es sich leicht, geräumig und großzügig an.“

Preisgekrönte Nachhaltigkeit
Den Architekten gelang es, trotz des begrenzten Budgets ein Haus zu bauen, das sich an den Bedürfnissen seiner Bewohner orientiert. Es verfolgt konsequent den Ansatz: „weniger, aber besser“ und wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Newcastle Architecture Award 2018 für seine nachhaltige Bauweise: Im Sommer wird das Haus von einer Meeresbrise gekühlt, während Bäume im Innenhof Schatten spenden. Solarmodule und Batteriespeicher versorgen es mit dem größten Teil seiner Energie. Das hält die Stromrechnung der Bauherren niedrig: Im letzten Quartal betrug sie gerade einmal sechs US-Dollar.

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