Networking im Nirgendwo

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Text: Nina C. Müller

Der Traum vom Landleben, von unberührter Natur, Stille und Zurückgezogenheit – welcher Großstädter kennt ihn nicht? Eine junge Mallorquinerin machte ihn war: ein Refugium mitten im Nirgendwo, gefertigt aus einem Hauch von (fast) nichts.

Raum zur Selbstentfaltung: So lautete der Wunsch der jungen Großstädterin, die sich wieder in ihrem ländlichen Heimatort auf der Insel Cabrera niederlassen wollte. In Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Gartnerfuglen entwarf Mariana de Delás dafür eine minimale Behausung, das Grooming Retreat, das weniger zum Wohnen, als vielmehr meditativen und musischen Zwecken dient. „Das Projekt nimmt das Ritual der Selbstreinigung in den Fokus, die hier nicht kosmetisch, sondern mental und körperlich gemeint ist“, so die Spanierin.

Die reine Natur
Dabei orientierte sich de Delás an der Idee einer Festung, die die Umwelt jedoch nicht abschottet, sondern zelebrieren sollte. Mitten in einem Gerstenfelde, zwischen Büschen und Olivenbäumen errichtete die Architektin einen Sockel aus regionalem Holz, dessen filigrane Pfähle eins mit der Landschaft zu werden scheinen. Den Raum – eine drei mal drei Meter große Plattform – umspannte sie mit einem weißen Moskitonetz, das vor dem Hintergrund des Himmels ebenfalls beinahe unsichtbar erscheint.

Netzwerkerin
Aus der Nähe hingegen erinnert es an einen soften Kokon, in den man 
über eine schmale Holzbohle und eine im Boden eingelassene Luke gelangt. Auf Wände und eine Decke wurde hier verzichtet. Lediglich Trennelemente aus Netzen separieren die einzelnen Zonen und sorgen für unterschiedliche Transparenzen. Hinzu kamen einfache, niedrige Möbelstücke und einige Pflanzen. So bleiben Natur und Meer von allen Seiten sichtbar, erscheinen durch den zarten Schleier jedoch leicht verschwommen und fast malerisch.

Mit einer angegliederten Futter- und Wasserstelle für Pferde wollte de Delás ebenso den Blick auf die Tiere und damit auf das eigene Verhalten fördern. Dabei würde klar, so die Designerin, dass Zeit für körperliche und geistige Erholung in der Hektik der Großstadt viel zu oft abhanden käme. Mit dem Grooming Retreat gelang der jungen Spanierin eine Architektur, die trotz ihrer offenen und transparenten Struktur die Konzentration auf das Innere lenkt.

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