Neu in Neon

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Text: Nina C. Müller
Foto: Martin Chum

Das gewisse Extra Galerie-Gefühl sollte das neue Zuhause einer in Barcelona lebenden Event-Managerin ausstrahlen. Die Designer Henry Wielgus und Jan Plechac aus Prag entwickelten ein Konzept ganz in Weiß und Neon, mit neuen Wänden, alten Fenstern und einer Mischung aus eigenen Möbelentwürfen und Klassikern.

Eigentlich sind die Tschechen Plechac und Wielgus spezialisiert auf Möbel- und Leuchtendesign. Wer durch ihr Portfolio blättert, entdeckt eine Reihe außergewöhnlicher Entwürfe, die nicht selten traditionelle Handwerkstechniken in einen zeitgenössischen Kontext holen. Altes und Neues zusammenzuführen war auch bei diesem Umbau ihre Devise. Und dem Licht gaben die beiden in diesem spanischen Apartment eine herausragende Stellung.

Zurück zum Ursprung

„Der ganze Umbau war ein langer Prozess, doch die Bauherrin ist meine Schwester, die uns sehr vertraute“, erzählt der 1984 geborene Jan Plechac. So organisierten sie zunächst eine radikale Aufräumaktion, in der sie alle unnötigen Wände und Elemente entfernten und die Raumaufteilung von Grund auf neu gestalteten. „Unsere Absicht war, die ursprüngliche Form des alten Apartments wiederherzustellen, um sie dann – im nächsten Schritt – an die Bedürfnisse der Bewohnerin anzupassen“, berichten die Planer.

Reflektiert

Im Wohnbereich integrierten sie ein großes, bodentiefes Fenster zum Innenhof, das viel natürliches Licht ins Innere holt. Alte Türen und Fenster mit traditionellen Klappläden, die sich in den eingerissenen Wänden befanden, wurden in die neuen eingesetzt und so wiederverwendet. „Für mehr Helligkeit in der Wohnung ließen wir außerdem die Wände und Decken weiß streichen“, so die Designer. Besonderes Augenmerk legten Plechac und Wielgus jedoch auf die künstliche Belichtung. So mischten sie hier beliebte Leuchtenklassiker mit eigenen Entwürfen.

Blauer Nimbus

Mit schwarzen und weißen Leuchtenschirmen schufen sie kontrastreiche, aber dezente Akzente in Korridor und Badezimmer. Über der großen Tafel im Essbereich hingegen setzten sie mit der klobigen Pendelleuchte Bell ein echtes Statement und verliehen dem Raum damit eine wohnliche Stimmung. Das Highlight des Apartments aber bildet eine Eigenkreation: „Unser Plan war es, dem Innenraum Anklänge einer Galerie zu verleihen. So kam die Idee einer minimalistischen Form in Verbindung mit Neonlicht.“ Ein türkis leuchtender Neonreifen prangt nun über dem pastellblauen Sofa und dem ebenfalls blauen Beistelltischchen Ondulé.

Brillant gelöst

Doch das bläulich leuchtende Licht sollte nicht das einzige Neonobjekt bleiben. Ein grell oranges Regal, ebenfalls ein Entwurf der beiden, sorgt für einen weiteren, bewusst gesetzten Farbklecks – diesmal im Arbeitsbereich. „Wir beabsichtigten ein zeitloses Interiordesign wie auch ein positives, aber eher ungesättigtes Farbkonzept“, sagen die Planer, die auch bei der Möblierung eher nordisch-sachlich bleiben. Großen Wert legten sie aber auf charmante Details wie die schwarzen Keramikschalter und Kabel an den Wänden oder die industriell anmutenden Heizkörper aus Tschechien. Damit gelingt es den Designern, gekonnt Spannungen zu erzeugen und so die alten Mauern stilvoll in den Vordergrund zu rücken.

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