Neue Energie am Stadtrand

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Text: Katja Neumann


Nach mehr als 60 Jahren hat der traditionsreiche Süddeutsche Verlag, in dem auch die Süddeutsche Zeitung erscheint, sein Stammhaus im Zentrum Münchens aufgegeben und neben der Druckerei im Osten der Stadt eine neue Zentrale bauen lassen: Auf 28 Etagen bietet das großflächig verglaste Hochhaus nun moderne Arbeitsbedingungen für rund 1850 Mitarbeiter. Energieeffizienz war das Leitmotiv beim Neubau der Verlagszentrale, die dank innovativer Haustechnik und einem ebenso optimierten wie nachhaltigem Beleuchtungskonzept mit dem Zertifikat „Leadership in Energy and Environmental Design“ in Gold durch das U.S. Green Building Council bewertet wurde.


Der Sitz des Süddeutschen Verlag war bis vor Kurzem eine feste Größe in der Münchner Innenstadt. Nach über 60 Jahren im Stadtzentrum, und nachdem bereits vor 24 Jahren die Druckerei des Verlages in den Münchner Stadtosten verlegt worden war, zogen im Herbst 2008 auch die Journalisten und Verlagsmitarbeiter nach München-Steinhausen. Ein freudiger Umzug war dies indes zunächst nicht: Viele Zeitungsmacher zogen nur ungern aus der privilegierten Lage in der Altstadt in ein Hochhaus an den Stadtrand. „Mir ist zum Weinen zumute“, soll selbst Münchens Oberbürgermeister Christian Ude bei der Abschiedsfeier in der Sendlinger Straße gesagt haben.

Debatte um die Höhe

Umso mehr galt es folglich, die Mitarbeiter durch die Qualität und die verbesserten Arbeitsbedingungen, die das neue Gebäude mit sich bringen würde, zu überzeugen. Bei der Ausschreibung zum Neubau bestand die offizielle Vorgabe, dass der Bau „das wirtschaftliche und kulturelle Profil des Verlags mit einer zeitgemäßen Architektur“ verkörpern solle. Den Zuschlag erhielt der Architekt Oliver Kühn von GKK+Architekten, der mit seinem Entwurf eines komplett verglasten Gebäudes überzeugen konnte. Doch vor Baubeginn galt es zunächst, einige Hindernisse zu überwinden: Der ursprüngliche Entwurf Kühns sah eine Gebäudehöhe von 145 Metern vor. Ein Bürgerbegehren verhinderte jedoch die Umsetzung, denn die Bevölkerung votierte dafür, dass die Häuser in München künftig maximal 100 Meter hoch sein dürfen. Diese Entscheidung machte umfangreiche Neuplanungen für die künftige Firmenzentrales des Verlages erforderlich. Mit einer Breite von 25 Metern und einer Höhe von nicht ganz 100 Metern bleibt der fertig gestellte Neubau nun knapp unter der geforderten Obergrenze. An das Hochhaus schließt sich ein Flachbau an, zusammen bilden die Gebäudeteile einen Platz vor der 50 Meter tiefen Eingangshalle.

Lichtdurchflutetes Atrium

Die mehr als 20 Meter hohe Eingangshalle bildet mit ihrem großzügigen Atrium den zentralen Zugang zum Verlagsgebäude und verbindet den Flachbau mit dem Hochhaus. An drei Seiten wird das Foyer durch transparente Bürowände begrenzt, an der vierten durch eine Glasfassade. Vor den von hier aus einsehbaren Büros sind terrassenförmig vorgelagerte Plateaus angeordnet, von denen aus sich die einzelnen Geschosse erschließen. Hinter einer umlaufenden Galerie im ersten Stock liegen Räume für Ausstellungen, Konferenzen und Fortbildung.
Das Atrium ist allein durch das über die Glasfassade einfallende Tageslicht hell und licht. Zusätzliche direkte Beleuchtung kommt aus Downlights und Langfeldleuchten, die sich in den Dachunterzügen befinden. Die Galerie und die Plateaus werden von eine speziellen Leuchte des Traunreuter Herstellers Siteco illuminiert: Wie eine Strich-Punkt-Linie wurde hier eine Sequenz aus einem diffus abgedeckten Lichtkanal und Niedervolt-Halogenspots in die Streckmetalldecken eingebaut. An Stellen, wo diese Leuchten nicht installiert werden konnten, sorgen Aufbaudownlights mit tiefstrahlender Lichtcharakteristik für die nötigen Beleuchtungsstärken.

Mehr als 1000 Bildschirmarbeitsplätze

Die zentrale Forderung des Bauherrn war neben Energieeffizienz eine variable Technik, die die Möglichkeit für neue und flexible Kommunikationsstrukturen bietet. Dazu sollten Raumstrukturen und Haustechnik so anpassungsfähig gestaltet sein, dass Räume bei Bedarf auch problemlos vermietet werden können.
Bei allen Überlegungen hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit des Gebäudes standen bei der Planung natürlich die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter im Vordergrund. Neben der Produktion der Süddeutschen Zeitung umfasst das Angebot des Medienhauses auch Fachzeitschriften und Bücher, Pressedatenbanken, Content- und Archivmanagement, PR-und Agenturdienstleistungen sowie Verwaltungstätigkeiten.
Kurz gesagt: Im gesamten Haus wird am Bildschirm gearbeitet und viele Arbeitsbereiche erfordern kommunikative Raumstrukturen. Zudem sollte das Ambiente im Haus nicht nur angenehm sein, sonder auch kreativitätsfördernd. Diese Aufgaben richteten sich nach Fertigstellung des Gebäudes vor allem an den Lichtplaner Dominik Ortmann und die Elektroplaner vom Münchner Ingenieurbüro CBP Cronauer Beratung und Planung, die bei der beleuchtungstechnischen Ausstattung eng mit Siteco zusammen arbeiteten.

Exakte Lichtverteilung und Rundumentblendung

So kamen in allen hinter der Fassade liegenden Großraum- und Einzelbüros sowie in den Besprechungszimmern und Verkehrszonen Leuchten mit Mikroprismenstrukturen zum Einsatz: Die von Siteco gefertigten Sonderleuchten sind rahmenlos in die unter den Raumdecken abgehängten Akustikpaneele integriert. Basis für diese Lichtlenkungstechnologie sind mehrlagige Mikroprismenstrukturen aus Kunststoff, die als Leuchtenabdeckung verwendet werden. Bei diesen Mikrostrukturen ist das Zusammenspiel für Wirkflanken, die für die Weiterleitung des Lichts sorgen, und Störflanken, die zur Auskopplung des Lichts dienen, genau aufeinander abgestimmt, wodurch eine exakte Lichtverteilung mit hoher Gleichmäßigkeit entsteht. Und dank der Rundumentblendung und der vollständigen Abdeckung des Leuchtmittels spielt es keine Rolle mehr, wie Arbeitsplatz und Leuchte zueinander angeordnet sind.
Durch den flächenbündigen Einbau der Leuchten in die Akustiksegel entsteht zudem ein sehr ruhiges Deckenbild bei zugleich angenehmer Helligkeit. Der lichte Raumeindruck wird durch einen Indirektlichtanteil von acht Prozent noch verstärkt. Dieser hellt die Decken leicht auf, sodass die Räume innen freundlicher wirken und Außenansicht des Gebäudes lebendiger erscheint.

Integration in die zentrale Gebäudeleittechnik

Dort, wo keine Akustikpaneele zum Einsatz kommen, wie zum Beispiel in kleinen Meetingräumen, setzten die Lichtplaner deckenintegrierte Langfeldleuchten ein. Bei ihnen erfolgt die primäre Lichtlenkung über einen hochglänzenden Spiegelreflektor. Anschließend tritt das Licht blendfrei durch eine Prismenscheibe nach unten aus. Auch hier wurde auf die Bildschirmtauglichkeit der Beleuchtung geachtet, ebenso wie auf weiche Helligkeitsübergänge, ausgewogene Schattigkeit und gute Beleuchtungsstärken.
Das Zusammenspiel der vielfältigen lichttechnischen Komponenten erfolgt über eine Lichtsteuerung, die tageslicht- und präsenzabhängig die Beleuchtung sowie den innenliegenden Sonnenschutz regelt. Über DALI-Vorschaltgeräte ist es möglich, bestimmte Leuchtengruppen zu bilden, die je nach Bedarf gesteuert und geschaltet werden können. Der Anschluss der DALI-Steuerung über ein Gateway an die zentrale Gebäudeleittechnik ermöglicht es schließlich auch den Mitarbeitern des Verlages, die Technik über Bedien-Interfaces in den einzelnen Räumen an seinen persönlichen Anforderungen anzupassen.
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