Neuer Glanz im Szeneviertel

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Text: Katja Neumann


In den achtziger Jahren galt der New Yorker Meatpacking District noch als eine der rauesten und gefährlichsten Gegenden der Stadt. Inzwischen hat sich das ehemalige Viertel der Schlachterein und Kühlhäuser am Hudson River jedoch zu einem der angesagtesten Stadtteile gemausert. Auch der Metzinger Modehersteller Hugo Boss ist nun hier mit einem Showroom vertreten, der nicht nur durch das Interieur Design von Matteo Thun zu einem Highlight des Gebäudes in der 401 West 14th Street geworden ist, sondern auch durch eine ausgeklügelte Lichtinszenierung des amerikanischen Lichtdesigners AJ Weissbard, die auf einem LED-Beleuchtungssystem der Firma Zumtobel basiert.


Während für Geschäfte von Hugo Boss in der Regel ein einheitliches Gestaltungskonzept angewendet wird, sollte der neue Shop in New York bewusst anders aussehen. Der Grund: Erstmalig werden alle Highlights sämtlicher Damen- und Herrenkollektionen des Modehauses kollektionsübergreifend miteinander kombiniert und so ein exemplarischen Überblick über die Marken von Hugo Boss präsentiert. Die ideale Räumlichkeit für den neuen Concept Store bot schließlich ein ausgebrannter, ehemaliger Lebensmittelladen im Meatpacking District.

Elegante Kleidung in rauer Umgebung


Um die richtige Balance zwischen der Eleganz der Waren und der Rauheit der Umgebung zu schaffen, beauftragte die Firma Hugo Boss den italienischen Architekten Matteo Thun mit der Entwicklung des Interieurs. Matteo Thun konzipierte für das Modelabel bereits deren Entwicklungszentrum in der Schweiz, das mit einer Gitterkonstruktion aus Holz ummantelt ist. Eine Variation dieser Rautenstruktur aus Eichenholz verwendete Thun auch in New York – das Gitter kleidet den rund 350 Quadratmeter großen Raum vollständig aus und gibt ihm einen offenen und zugleich dynamischen Charakter. Bis auf das Holzgitter beließ Thun den Raum fast vollständig im Originalzustand und fügte den bestehenden Gebäudestrukturen nur das Nötigste hinzu. So dominiert im vorderen Teil des Shops der raue Charme der Architektur mit grauem Estrichfußboden und einem frei gelegten Backsteinmauerwerk. Lediglich im hinteren Teil des Raums, wo sich die Umkleiden befinden, herrscht eine warme und luxuriöse Atmosphäre vor: schwere rote Samtvorhänge, Teppiche, große Spiegel und elegante Kronleuchter, gekrönt von einer indirekt beleuchteten, goldenen Decke in der Kabine.

Durch Licht in Szene gesetzt


Das besondere Mittel zur Inszenierung des Raumes und der Waren sah Matteo Thun in der Beleuchtung: „Eine LED-Fläche, die die Fläche theatralisiert.“ Die Umsetzung übernahm der Lichtdesigner AJ Weissbard, der bereits einige aufwändige Projekte für Theater, Opern und Filmsets realisiert hat. Zum Einsatz kamen verschiedene LED-Systeme des Herstellers Zumtobel, die nicht nur den Raum ausleuchten, sondern auch die Wände anstrahlen. Die auffällige Backsteinwand wird über ein System beleuchtet, das kalt- und warmweißes Licht mischt, sodass sich die Lichtstimmung permanent verändert. Die gegenüberliegende Wand hingegen wird in einem dynamischen Verlauf farbig angestrahlt.
Die Gesamtbeleuchtung erfolgt über LED-Leuchten, die in die Gitterstruktur an der Decke eingelassen sind und den Eindruck eines Sternenhimmels vermitteln. Das Gitter selbst ist zudem hinterleuchtet, sodass die skulpturale Form der Konstruktion nochmals hervorgehoben wird. Die Ware wird über dahinter verborgene Strahler illuminiert, die das Licht fokussiert auf die einzelnen Kleidungsstücke lenken.

Flexibel und erweiterbar

Für die Inszenierung des Showrooms entwickelte AJ Weissbard verschiedene Lichtszenarien, die per Tastendruck abgerufen werden können. So dient die Gitterstruktur zum Beispiel auch als Oberfläche für Videoprojektionen in niedriger Auflösung, die sich als farbige Lichteffekte im Raum verteilen. Die Lichtatmosphäre lässt sich auch gezielt an unterschiedliche Nutzungen, verändertes Außenlicht oder neue Kollektionen anpassen. Damit muss beispielsweise nicht zwingend das Licht der aktuellen Jahreszeit im Shop vorherrschen: Vielmehr kann die Atmosphäre an das jahreszeitliche Licht der präsentierten Kollektionen angepasst werden.

Größtmögliche Flexibilität war eine der Vorgaben bei der Entwicklung des Lichtsystems. Und so sieht Lichtdesigner Weissbard die Beleuchtung auch als andauernden Prozess. Sind verschiedene Lichtszenarien einmal programmiert und installiert, kann das Personal aus einer Reihe verschiedener Lichtsituationen dem Anlass entsprechend auswählen. Für die Zukunft lässt es sich zudem noch erweitern, indem Programme für spezielle Events wie Ausstellungen oder Partys hinzugefügt werden.
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