Nordisch auf Eck: Einfamilienhaus bei Hamburg

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Text: Markus Hieke, Foto: Marcus Ebener

Entlegene Stille, satte Weiden und hinter den Dünen das Meer – schön wärs. Dieses Einfamilienhaus von Reichwald Schultz entstand nordwestlich von Hamburg in einem klassischen Neubauviertel in Ellerbek. Nichts gegen die Nachbarn. Aber was sich die Bauherren wünschten, sah ein wenig anders aus als das was hier allgemein üblich ist. Den Architekten ist ein Domizil gelungen, das einen respektvollen Kontrapunkt setzt.

Die Architekten Marc-Philip Reichwald und Peter-Karsten Schultz wollten die maximal zulässige Grundfläche für ihren Neubau ausreizen. Gefragt war ein Wohnhaus für eine vierköpfige Familie, das sich gleichermaßen einfügen wie herausnehmen sollte aus dem Kontext der Architektur von der Stange. Das Ergebnis: ein nordisches Holzhaus, das nur mit Erdgeschoss und spitz zulaufenden Giebeldächern niedriger ausfällt als die benachbarten Häuser.

Landidylle inklusive
Zum eigenständigen Charakter trägt der Aufbau der Gebäudeteile bei: Zwei Volumen – ein schlankes und ein etwas breiteres Rechteck – wurden L-förmig aneinandergesetzt und bilden auf der Gebäuderückseite einen Garten, der von der Zufahrt aus nicht einsehbar ist. Das Objekt erinnert an einen Scheunenbau, Landidylle inklusive. Im kleineren Teil, dem Wohnhaus, sind neben dem Entree gestaffelt Küche, Ess- und Wohnbereich untergebracht. Die „zentrale Giebelhalle“, wie sie die Architekten nennen, ist nur 3,60 Meter breit, dafür aber 11,70 Meter lang und bis zu 4,60 Meter hoch. Durch große Fenster an beiden langen Seiten fällt reichlich Tageslicht ins Innere.

Auf zweiter Ebene
Auch die Schlaf- und Kinderzimmer sowie das Gäste- beziehungsweise Arbeitszimmer im angrenzenden Schlafhaus werden gartenseitig mit viel Licht versorgt – besonders am Morgen, da die Terrassenfenster sich nach Nordosten richten. Oberhalb der Kinderzimmer und des Arbeitsraumes haben Reichwald Schultz jeweils kleine Galerieebenen in die Spitzböden eingefügt; die einzigen zweistöckigen Bereiche im gesamten Haus. Auf der gegenüberliegenden Seite dieses Flügels liegen zwei Bäder und ein Haushaltszimmer. Am Übergang zwischen beiden Teilen befindet sich ein Abstellraum. Der Hauseingang ist am südwestlichen Giebel des Wohnhauses – da wo beide Volumen aufeinandertreffen – kaum sichtbar, da sich das Muster der Gebäudeverkleidung tarnend darüber hinwegzieht.

Pläne, Querschnitt Galerie
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Konstruiert wurde das Haus in Rahmenbauweise. Die Fassade ist mit einer vorvergraut lasierten Schalung aus gehobelter Lärche verkleidet. „Die Bauherren wünschten sich eine zurückgenommene Architektur, einen Holzbau, der die heiter entspannte Einfachheit nordischer Ferienhäuser ebenso wie die nüchterne Klarheit von Gehöften dieser Region aufnimmt“, erklären die Planer. Ein wenig skandinavisches Urlaubsflair trägt das Haus wahrlich inne. Pragmatismus und Reduktion gestalten das Interieur: ein robuster Gussasphaltboden aus weißgrauen Steinen im gesamten Wohnbereich, eine Küche mit zentralem Küchenblock, die sich weitgehend zurücknimmt, Seekieferplatten an Wänden und Decke im Flur des Schlafhauses, Eichendielen in den Schlaf- und Gästezimmern. Reichwald Schultz haben hier mit Tiefen und Höhen gespielt, mit kalten und warmen Komponenten, aber auch mit einer Sehnsucht nach Ländlichkeit mitten in der urbanen Realität.

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