Offene Bauweise

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Text: Sandra Piske
Foto: Jonas Bjerre-Poulsen, Noah Sheldon

Eine Architektur, die innen und außen nicht trennt, erscheint in unseren Breitengraden kaum umsetzbar. Ganz anders in Sri Lanka: Dort fanden AIM Architecture und Norm Architects ideale Bedingungen für ein Projekt vor, das Architektur und Natur miteinander verschmilzt.

Für ein Projekt wie das K House bietet das tropische Klima Sri Lankas zweifellos optimale Voraussetzungen: Umgeben von Palmen und der exotischen Vegetation des südlichen Inselteils liegt das abgeschiedene Anwesen direkt an einem pittoresken Sandstrand. Die Schönheit der Natur verlockt hier unablässig zum Aufenthalt im Freien; eine sich nach außen öffnende Bauweise drängt sich geradezu auf.

Sanfte Übergänge
Für die Architekten bedeutete dies zunächst, eine Anlage zu entwerfen, die sich möglichst nahtlos in die Umgebung einfügt. Es wurde daher großer Wert darauf gelegt, sanfte Übergänge zwischen den Innen- und Außenbereichen des Villenresorts zu schaffen. Die beiden Gebäude, die L-förmig einen Garten und einen zentral gelegenen Pool umrahmen, gehen in fein strukturierten Abstufungen in die Natur über. Auf den weiträumigen Veranden verschwimmen der Innen- und Außenraum miteinander; unter den ausgedehnten Dächern der Gebäude liegend, vermitteln sie das behagliche Gefühl, zwar im Freien, aber vor Sonne und Regen geschützt zu sein.

Große Öffnungen
Neben sanften Übergängen spielen große Öffnungen eine wichtige Rolle. Dank hölzerner Faltschiebetüren lassen sich die Gebäude weitflächig zur Veranda und zum Garten hin öffnen. Dabei verzichteten die Architekten auf verglaste Fenster und Türen. Stattdessen verwendeten sie aus Holz gefertigte Läden, welche die offene Bauweise der Häuser elegant unterstreichen. Die Abwesenheit von Außenwänden charakterisiert auch die offenen Bäder, die in begrünte, private Innenhöfe führen und dadurch den Eindruck erwecken, beim Duschen in der freien Natur zu sein.

Natürliche Materialien
Ein wesentlicher Bestandteil des offenen und naturnahen Konzepts sind die verwendeten Materialien. Besonders das regionale, durchgängig benutzte Teakholz und der lokale, zum Teil unbehandelt eingesetzte Granitstein prägen das Erscheinungsbild der Gebäude. Hinzu kommen die recycelten Terrakotta-Ziegel, die für die Dächer verwendet wurden. Offen und naturnah präsentieren sich auch die hellen und geräumigen Innenräume. Sie sind minimalistisch elegant gestaltet und stilgerecht mit Möbeln aus einheimischem Teakholz ausgestattet. Dabei sorgt vor allem die Kombination aus maßgefertigten Stücken, wie etwa den Sofas in den Lounges, und älteren Möbeln aus der Region für eine spannungsvolle Mischung.

Auch wenn der Begriff „Offene Bauweise“ in unseren Breiten etwas anderes meint: Für das im Süden Sri Lankas liegende K House ist er wie geschaffen. Seine Architektur öffnet sich der natürlichen Umgebung und lässt innen und außen fließend ineinander übergehen.

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