On the dark side: Wohnung in Valencia

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Text: Claudia Simone Hoff
Foto: David Zarzoso

Wenn draußen immer die Sonne scheint, darf es drinnen ruhig ein wenig dunkel sein. Das hat sich Francesc Rifé gedacht und in Valencia eine Wohnung aus den späten Zwanzigerjahren in eine kontemporäre Höhle umgebaut. Die gestalterischen Zutaten: roh belassene Betondecken, Raumeinbauten aus schwarzem Holz und eine sparsame Möblierung.

Das 135 Quadratmeter große Appartement befindet sich im Erdgeschoss eines Eckgebäudes mit ehemals 378 Wohneinheiten, das der spanische Architekt Enrique Viedma Vidal 1929 in Valencia entworfen hat. Die fünfstöckige La Finca Roja in der Carrer de Jesús 75 ist mit ihrer auffälligen Fassade aus roten Backstein eines der bekanntesten Gebäude der Stadt und umschließt einen begrünten Innenhof. Fensternischen und dekorative Elemente gliedern die Fassade und rhythmisieren sie, markante Rundtürme auf dem Dach weisen schon von weitem den Weg.

Ein Hauch von Neu
Das in Barcelona ansässige Studio Francesc Rifé hat die Erdgeschosswohnung umgebaut, wobei originale Architektur- und Designelemente erhalten geblieben sind, während die Räume gleichzeitig von nachträglich eingefügten, überflüssigen Einbauten befreit wurden. Im Zentrum der Wohnung an markanter Ecklage steht ein Floating Space, bei dem Küche, Wohn- und Arbeitszimmer ineinander übergehen. Maßgefertigte schwarze Einbauten aus Holz sorgen dafür, dass die einzelnen Raumzonen für sich stehen, doch zugleich ein weiter Raumeindruck entsteht. Ergänzt wird der große Wohnraum durch zwei abgeschlossene Schlafzimmer, eines davon mit En-Suite-Bad mit freistehender Badewanne. Ein weiteres Badezimmer wird vom Flur aus erschlossen, während die kleine Privatterrasse vom Wohnraum betreten wird.

Vorhang auf!
Die raumhohen Einbauelemente sind nicht nur praktisch, sondern fungieren gleichzeitig als gestalterische Klammer: Schwarz ist das farbliche Leitmotiv der Einrichtung und schließt Möbel- und Leuchtenklassiker von Flos, Carl Hansen & Son, Cassina und Thonet ein. Studio Francesc Rifé nutzt das Schwarz als bühnenreifen Hintergrund für die teils spektakulären historischen Versatzstücke, die erhalten geblieben sind: farbige Fliesen mit geometrischen und floralen Dekoren, freigelegte Betonpfeiler und -decken, die einen Hauch von Industrial Look ins Interior bringen. Auch die „Verletzungen“ des Gebäudes bleiben nicht verborgen – wie man an den unterschiedlichen Fußböden sieht, an denen die alten, kleinteiligen Raumstrukturen erkennbar sind.

Arbeitswohnung oder Wohnbüro
Da die Wohnung auch zum Arbeiten genutzt wird, gibt es Elemente mit Doppelfunktionen: So wird beispielsweise der große maßgefertigte Tisch im Wohnraum als Ess-, aber auch als Arbeitstisch genutzt und legt sich elegant um einen freistehenden Pfeiler. In gleichbleibender Gestaltungssprache ist auch ein Raum-in-Raum-Einbau gehalten, der einen kleinen Schreibtisch, Stauraum und Regale birgt. Ein ebenfalls schwarzes, hüfthohes Holzregal grenzt den Loungebereich mit Kamin und einem behaglichen Samtsofa geschickt vom Rest des Raumes ab.

In Zeiten heimeliger Hygge-Gemütlichkeit mit hellem Eichenholz, viel Weiß und Rosétönen setzt diese Wohnung in Valencia einen Kontrapunkt mit großem Ausrufungszeichen. Francesc Rifé geht ziemlich clever vor, denn er erklärt das große Manko der Wohnung, die schwierigen Lichtverhältnisse, kurzerhand zur gestalterischen Grundidee. Dabei gelingt ihm der Spagat, den Charme historischer Elemente zu erhalten und durch Hinzufügen maßgefertigter (Raum-)Elemente einen kontemporären Touch ins Interior zu bringen – ergänzt durch zeitgenössische Kunst von Anke Blaue, Manolo Sierra und Antonia Ferrer.

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