Patio und Ratio: Casa la Quinta

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Text: Tim Berge, Foto: Rafael Gamo

Ein Haus, das sich nur zum Himmel öffnet: Die Casa la Quinta in der mexikanischen Kleinstadt San Miguel de Allende ist einerseits ein typisches Beispiel für die regionale Architektur, die sich schützend von der Sonne abzuwenden sucht – andererseits nutzt der Bau das Tageslicht für eine abstrakte Raum-Licht-Installation.

Die Bezeichnung „Ruhesitz” umschreibt den Charakter dieses Wochenendhauses am treffendsten. Die Bauherren waren vor Kurzem in den Ruhestand gegangen und wollten mit dem Neubau einen Ort schaffen, an dem sie sich entspannen und ihre neue Freiheit genießen können. Perfekte Voraussetzungen dafür bot dieses Grundstück: An drei Seiten türmten sich hohe Mauern auf. Für den Architekten Pablo Pérez Palacios galt es, den leeren Raum dazwischen neu zu definieren.

So verschlossen das Gebäude nach außen ist, so offen ist es in seinem Inneren. Der Grundriss verzichtet weitestgehend auf Trennungen zum Außenraum, der durch drei Patios definiert wird, die sich in dem Volumen abdrücken. Jeder der Höfe besitzt seine eigene Identität, die durch unterschiedliche Proportionen und Nutzungen geformt wird. Der größte Patio bildet, zusammen mit dem anschließenden Wohnraum, das kongeniale Zentrum des Hauses. An drei Seiten türmen sich glatte gekalkte Wände empor, die den Himmel rahmen und ihn wie eine Raum-Licht-Installation von James Turrell aussehen lassen. Die Natur als abstraktes Kunstwerk, das das Haus umgibt und es durchdringt. So wirkt auch der Baum, der sich neben einem kleinen Pool und einer Hängematte der puristischen Hofgestaltung hinzugesellt, wie eine lebende Skulptur.

Auch die zwei weiteren Patios widmen sich der architektonischen Seelsorge ihrer Bewohner. Kleine Gärten erzeugen eine gute Belüftung und einen angenehmen Tageslichteinfall in dem 350 Quadratmeter großen Haus. Überhaupt steht die Wohnqualität der Innenräume dem Erholungsfaktor der Höfe in nichts nach: Kühle Steinoberflächen am Boden und Einbauten aus Holz sorgen für eine behagliche Atmosphäre und ein gutes Klima. Ruhe und Entspannung sind allgegenwärtig in der Casa la Quinta.

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Die Architekten gliederten den einstöckigen Bau in einen Wohn- und einen Schlafbereich: Das Erdgeschoss ist eine fließende Abfolge von innen und außenliegenden Aufenthaltsbereichen sowie einer Küche, die geschickt platziert zwischen den drei Patios liegt, sodass man von ihr schnell jeden der drei Höfe erreichen kann. Grenzen – seien es physische oder atmosphärische – scheinen in diesem bemerkenswerten Neubau keine Rolle zu spielen. Das Innere, das gleichzeitig auch das Äußere des Hauses ist, erzeugt einen einzigen sozialen Raum, dessen Charakter durch das Zusammenspiel und die Kontraste von Licht und Schatten eine besondere Note erfährt.  

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