Pause mit Bergblick: Raststätte in den Schweizer Alpen

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Text: Jeanette Kunsmann
Foto: Roger Frei

Nur mal kurz halten und dann lange bleiben: Mit der Gotthard-Raststätte Erstfeld schaffen alp Architektur Lischer Partner einen Ort der Erholung mit Alpenpanaroma – der Stil lautet rustic contemporary.

„Wir sind die Raststätte, die alle überrascht“, heißt es auf der Webseite. Dafür sorgt einerseits die besondere Lage im Kanton Uri. Knappe 20 Kilometer vor dem Gotthardtunnel weitet sich der Blick auf die Alpenlandschaft und die Urner Bergwelt. Anderseits erstaunt auch die Architektur, die so gänzlich anders ist, als man es von der Typologie Tankstelle und Raststätte kennt. Hier in Fahrtrichtung Süd wartet das Holzensemble von dem Luzerner Büro alp Architektur Lischer Partner auf müde und hungrige Reisende, Radfahrer und Spaziergänger. Erst im Mai 2018 wurde der 1.200 Quadratmeter große Neubau an der A2 eröffnet.

Die Fassade besteht aus unbehandelter Weißtanne, ein lokales Material, das man in der Region sonst auch für den Bau der Urner Ställe verwendet. Auch formal hat sich das Team des Schweizer Architekten Daniel Lischer an der ortstypischen Bauweise orientiert. Es greift die archetypischen Silhouetten der Zweckbauten aus Holz auf, interpretiert diese zeitgemäß und teilt den Neubau in vier Baukörper, die entsprechend der jeweiligen  Nutzungen versetzt zueinander angeordnet sind. Die Raststätte sollte schließlich kein fremder Klotz in der Landschaft werden, sondern sich als sinnliches Bauwerk in diese einpassen.

Die Bestuhlung kommt von der Schweizer Manufaktur Horgenglarus.

Den Eingang bildet ein zehn Meter hohes Foyer, in dem Freiheitskämpfer und Nationalheld Wilhelm Tell als hölzerne Skulptur die Gäste begrüßt. Wie die Architektur ist auch die Gastronomie in der Gotthard-Raststätte regional, angeboten werden vor allem natürliche und einheimische Produkte direkt aus der Umgebung. Dazu passen auch die Holzmöbel. Die Bestuhlung kommt von der Schweizer Manufaktur Horgenglarus. Deren zwei Stuhlmodelle Klio und Miro – beide entworfen vom Studio Hannes Wettstein – eine gastliche Atmosphäre im Restaurant bilden. Hier kann man sich aufhalten, während das Auto an der Elektrotankstelle auflädt.

Damit die alpine Umgebung im Inneren der Raststätte sichtbar und spürbar bleibt, musste die Fassade eine durchlässige Hülle sein. Zwischen den Lamellen öffnet sich der Blick ins Schächental: Innen- und Außenraum treten in einen Dialog. „Umgekehrt strahlt das Innenleben nach außen und der Baukörper leuchtet einladend“, sagt Daniel Lischer. Und wenn sich in anderen Raststätten die Toiletten in der Regel im Untergeschoss befinden, warten in Erstfeld die sanitären Anlangen im Obergeschoss. Das Stille Örtchen haben die Architekten als helle, freundliche Holzhütte interpretiert – ebenfalls mit einem Ausblick in die Berge.

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