Pause mit Pac-Man

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Text: Tanja Pabelick, Foto: Relja Ivanić

Morgens spielen die Kollegen Möbel-Tetris, zu Mittag eine Runde Pong und abends rollen die Köpfe durch Vier gewinnt. Was nach Themenpark klingt, ist tatsächlich die an den Arbeitsinhalten orientierte Office-Umgebung des kroatischen Spieleherstellers Nanobit und eine Hommage an die zehnte Kunst – Computerspiele. Ein Besuch in einem gut gelaunten Büro, das nicht erwachsen werden will.

Die bei Start-ups derzeit beliebten Schaukeln, Rutschen und Wippen sind oft nicht mehr als eine zu gewollt geratene Demonstration von Office-Spaßkultur. Bei Nanobit in Zagreb geht es ebenfalls knallbunt und ausgelassen zu, der Vergnügungspark für Erwachsene ist allerdings Teil ihrer DNA. Seit 2008 entwirft die Firma mit über einhundert Mitarbeitern digitale Spielewelten – und ist damit der größte Spieleentwickler und eines der führenden Tech-Unternehmen Kroatiens. Die eigene Bürolandschaft beamt die digitalen Sujets ins Analoge und zitiert vor allem Klassiker aus den Anfängen der Gaming-Kultur. Da sitzen dann zum Meeting die Mitarbeiter auf Brick Blocks von Super Mario oder spielen Vier gewinnt mit den eigenen Porträtfotos, während die Kollegen eine Runde Pong im Tischtennisraum absolvieren.

Zappeln und Zocken
Die eigenwilligen Vorstellungen von ihrem Büro waren für die Interieurdesigner des mit der Planung beauftragten Studios Brigada eine besondere Herausforderung. Das lag aber vor allem an den baulichen Voraussetzungen des gut 1.600 Quadratmeter großen, über zwei Etagen laufenden Büros im Zentrum der Hauptstadt. „Wir fanden ein traditionelles kroatisches Bürogebäude vor, mit niedrigen Decken, erhöhten Fußböden und einem Service-Kern. Wir mussten daraus einen auf Aktivität ausgerichteten Raum machen, der zu Kommunikation, sozialer Interaktion, Entspannung und Spaß anregt“, berichtet das Gestalterteam von Brigada. Ihre Lösung: Sie teilten die Fläche in Funktionsbereiche und damit auch in Themenwelten auf. Die Mitarbeiter können mit wechselnden Aufgaben und Aktivitäten von Bereich zu Bereich ziehen und haben durch die konsequente Gestaltung auch das Gefühl, sich in einer komplett anderen Zone zu befinden. „Dadurch können die Kollegen wirklich abschalten und sich entspannen“, erklärt Damjan Geber, CEO und Creative Director von Brigada.

Raumgroße Spielekiste
Für die Programmierer, Künstler und Designer bei Nanobit ist Spielen allerdings nicht nur Zerstreuung, sondern ebenso Teil der Arbeit. Im Headquarter nehmen die Spaßbereiche deshalb einen prominenten Teil des Büros ein. Es gibt Räume zum analogen Spielen wie das Ping Pong-Zimmer, aber auch Räume für digitales Daddeln. Diese sind, wie alle akustisch abgeschlossenen Areale, hinter Wänden aus Glas untergebracht, die aber optional durch Vorhänge auch visuell abgeschirmt werden können. Eine konsequent monochrome Raumgestaltung in Gelb oder Blau macht die Spielezimmer zu surreal anmutenden Farbboxen. Sie sind rund um ein offenes Lounge-Areal angeordnet, in dem sich die Mitarbeiter zum informellen Plausch oder temporären Arbeiten treffen. Und weil die Decken in diesem zentralen Bereich so schwarz gehalten sind wie der Bildschirm im Ruhemodus, stehen die bunten Glaskisten darum umso dominanter hervor.

Spiel, Spaß, Spannung, Konferenz
Gemeinschaftsbereiche wie die Lounge, Küche und die vielen Gamerooms nehmen einen Großteil der Bürofläche ein. Jeder Bereich ist dabei thematisch eine Hommage an pixelige Legenden wie Pong, Tetris, Super Mario, Minesweeper oder Pac-Man. In den offenen Zonen finden Präsentationen statt oder Brettspiel-Sessions. Die Möbel sind dabei bewusst modular gestaltet, so dass sie sich den Anforderungen gemäß schnell umsortieren lassen. Privatsphäre finden die Mitarbeiter unter anderem in den Kommunikationsräumen, wie dem Skype-Zimmer und dem Telefonraum. Damit sich die Mitarbeiter der in zehn Jahren seit Gründung rasant gewachsenen Firma auch über die eingespielten Teams hinaus erkennen, hat sich das Team von Brigada für den Meetingraum eine spezielle Wandinstallation ausgedacht. In einer übergroßen Version des Spieles Vier Gewinnt sind auf den blauen und gelben Spielsteinen die Porträts der Mitarbeiter aufgedruckt. So lernen die Kollegen nicht nur die unmittelbaren Gegner, sondern auch die Mitspieler im eigenen Unternehmen besser kennen.

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