Perforierter Klinkerkubus: Neubau in Mexiko

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Text: Katharina Horstmann

Für das Studio einer Fotografin in Coyoacán setzten Mauricio Rocha und Gabriela Carrillo auf ein beliebtes Element der mexikanischen Architektur: den Ziegel. Sie gestalteten einen Bau aus nackten, roten Wänden, der sich von außen verschließt und von innen öffnet.

Der Ziegel ist ein beliebtes und versatiles Baumaterial. Schließlich erlaubt er in Lego-Manier Wände zu errichten und dabei verschiedenste Formen und Strukturen zu erzeugen. Fast jeder namhafte Architekt hat sich schon an ihm versucht. Gemeinsam mit seiner Partnerin Gabriela Carrillo wählte der mexikanische Planer Mauricio Rocha den roten Klinker für den Bau des Studios seiner Mutter, der Fotografin Graciela Iturbide. Bekanntheit hat sie ab den Siebzigerjahren mit ihren ausdrucksstarken Schwarz-weiß-Porträts mexikanischer Alltagskultur erlangt.

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Das dreigeschossige Gebäude in Coyoacán im Süden Mexiko-Stadts überragt die anliegenden Häuser der Straße. Auf den ersten Blick besitzt es die Anmutung eines Rohbaus, wäre da nicht die alles andere als zufällig gewählte Durchlässigkeit. Die Fassade besteht aus einer schlichten, fensterlosen Ziegelkonstruktion, deren rhythmische Anordnung sowohl für Intimität als auch Ventilation sorgt.

Poröse Festung
Der verschlossene Charakter der Fassade kehrt sich im hellen, lichtdurchfluteten Gebäudeinneren geradezu um. Ein schmaler Trakt führt bis zum Ende des vier mal 17 Meter großen Grundstückes und nimmt das Treppenhaus sowie eine Küche im Erdgeschoss und zwei Bäder in den beiden darüber liegenden Etagen auf. Zur rechten Seite des Trakts gehen auf allen drei Stockwerken die Arbeitszimmer der Fotografin ab.

Der Bau wird von zwei Patios flankiert. Deren hohe Außenmauern lassen an eine stolz aufragende Festung denken und setzen den Blick in den Himmel eindrucksvoll in Szene. Auch hier wird eine durchlässige Ziegelstruktur verwendet, die Schutz vor Einblicken gewährt, ohne den Blick nach draußen zu unterbrechen. Dabei lenken die Mauern das Tageslicht ins Innere und werfen schöne Licht- und Schattenspiele an Böden und Wände. Die Intensität der monochromen, roten Farbigkeit der Ziegel wird nur vom satten Grün der einheimischen Pflanzen erwidert, die in reicher Zahl die Höfe bevölkern.

Allgegenwärtige Ziegelstruktur
Auch in den Innenräumen setzt sich die allgegenwärtige Ziegelstruktur in einem Großteil der Oberflächen fort und wird durch Elemente aus Sichtbeton und Ahornholz an den Böden und Decken ergänzt. Hier verbirgt sich weder eine Dunkelkammer noch ein Fotoatelier. Der Bau ist eine Erweiterung von Graciela Iturbides benachbartem Wohnhaus. Die Zimmer sind wohnlich eingerichtet und werden durch große Fenster zu den beidseitigen Patios geöffnet. Sie dienen der Hausherrin als Rückzugsort und Ruhepol, wenn sie konzentriert ihrer Arbeit nachgehen will. Allein die Lichtstrahlen im Innenhof erinnern daran, dass jenseits der durchlässigen Mauern eine andere Welt liegt, deren Kontraste Graciela Iturbide mit ihren Fotografien einzufangen sucht.

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