Peter Zumthor: Dicke Wände in Devon

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Text: Jeanette Kunsmann, Foto: Jack Hobhouse

Good News: Nach zehn Jahren Bauzeit wird das Ferienhaus von Peter Zumthor im britischen Devon gerade fertiggestellt. Die zweite gute Nachricht: Die Villa aus Stampfbeton kann man ab März 2019 für die eigenen Ferien mieten.

Weil er einer der Architekten ist, die nur sehr wenig und sehr behutsam bauen, sind Ankündigungen von Projektfertigstellung aus seiner Hand selten zu lesen. Und auch wenn Peter Zumthor schon Ferienhäuser in Vals und anderswo gebaut hat, eine Villa in der englischen Landschaft fehlte bisher im Repertoire des Pritzker Preisträgers (2009). Jetzt kommt sein Secular Retreat in Devon zum Abschluss.  

Vor zehn Jahren wurde Zumthor damit von Living Architecture beauftragt. Es ist das siebte Projekt in der Serie besonderer Ferienunterkünfte, mit denen der Philosoph und Kreativdirektor Alain de Botton und Direktor Marc Robinson zeitgenössischer Architektur im so konservativen Großbritannien eine Plattform bieten. Peter Zumthor reiht sich mit seinem Palladio-Bungalow aus mächtigen Stampfbetonwänden neben dem zur Hälfte über der Landschaft schwebenden Balancing Barn von MVRDV und dem postmodernen Radikalscherz House for Essex von FAT Architecture und Grayson Perry in eine ungewöhnliche Sammlung ein – selbst, wenn all das unter dem etwas populären Claim „Holidays in modern architecture“ aufgeführt wird. Living Architecture ist kommerziell, aber mutig und eigentlich wäre es doch schön, wenn es dieses Format auch in anderen Ländern geben würde. Zum Beispiel in Deutschland.

Dass Peter Zumthor in Devon eine der ältesten Betonarten verarbeiten lässt, kann man als Verweis auf sein Œuvre verstehen: Schließlich hat er mit der Bruder-Klaus-Kapelle (2005–2007) in der Eiffel das Material Stampfbeton quasi salonfähig gemacht – und die Welt um eine feine Architekturikone bereichert. Wer heute mit einem Beton ohne Bewährung baut, muss jedenfalls wissen, was er tut. Und was er will. Begriffe wie Stille und Kontemplation waren Zumthors Ziele in Devon, auch nach einem unverstellten Ausblick auf die umgebenden Berge sehnte sich der Schweizer Architekt. Licht und Schatten verleihen der monumentalen Villa ihre Plastizität – ganz so, wie es auch die Künstler und Baumeister der Renaissance gerne mochten.

Am Ende war es das Material, das die Geduld der Bauherren und des Architektenteams auf die Probe stellen sollte. Horizontal geschichteter Stampfbeton braucht viel Zeit, jede Linie markiere mindestens einen Arbeitstag, so sagt man. Welch schöner Gedanke: Dass ein Bauwerk auch Stück für Stück mit den Jahren wächst und nicht einfach in einem Sommer zehn Etagen in die Höhe gezogen werden. In Devon, das sehen wir nun, hat es sich durchaus gelohnt. Es handelt sich hierbei zwar  nur um ein Ferienhaus. Aber eines, das mit seinem enormen Gewicht eine ganz eigene Leichtigkeit verbildlicht. 

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