Pretty in Pink: Wohnhaus in London

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Text: Anne Meyer-Gatermann, Foto: French + Tye

Starke Farben: Das britische Office S&M hat ein Wohnhaus in Plaistow, East London, gebaut, dessen Fassade ein Blickfang ist. Die Rahmenbedingungen für den Neubau waren sportlich: Er wurde in nur sechs Monaten und für 205.000 Pfund (ca. 228.000 Euro) fertiggestellt.

„Wir machen keine leise Architektur. Dieses Haus schwelgt in Farbe und Materialität. Salmen House ist eine Studie über Großzügigkeit für ihre Bewohner und den Kontext“, sagt Projektarchitekt Hugh McEwen, der mit Catrin Stewart 2013 das Office S&M gegründet hat. Mittels starker Farben und ungewöhnlicher Materialien haben sie trotz des mageren Budgets eine Architektur geschaffen, die sich von der Masse abhebt. Eine Herangehensweise, die sich zu einem Markenzeichen des Büros mausert.

Das Salmen House, benannt nach der Straße, in der es steht, hat zwei Etagen, auf denen drei Schlaf- und Badezimmer verteilt sind. Die Konstruktion des Baus war so geplant, dass sich ein maximales Volumen und eine Wohnfläche von 87 Quadratmetern ergeben.

Grüner Terrazzo reflektiert das Tageslicht
Die Fassade des Salmen House ist mit getupftem Mörtel verputzt, sodass der Lachsfarbton (millenial pink) nicht glitschig, sondern pudrig und haptisch wirkt. Auch das Grün des Eingangsbereichs wirkt auf dieser Oberfläche warm und satt. Dazu wählten die Architekten für den Sockel, die Fensterlaibungen und ein Müllhäuschen polierten Terrazzo in Grün. Das ist besonders für die Fenster clever, weil die glatte Oberfläche zusätzliches Tageslicht ins Innere des Hauses reflektiert.

Auch Oberlichter im Treppenhaus, in einem der Zimmer und in der Küche lassen möglichst viel Licht hinein. Im Inneren des Hauses ist die Farbgestaltung reduziert, hier dominieren Schwarz, Weiß und Grau. Ein gelungener Clou sind die blauen Fugen in den Badezimmern, eines davon hat einen schönen Boden aus blau gemusterten Fliesen.

Die Architekten wissen die Ecklage des Grundstücks für den Bau zu nutzen: Jeder Raum hat Fenster in zwei Richtungen und auch der Baukörper ist aus allen Außenansichten stimmig gestaltet. Der vorgelagerte Eingangsbereich und in die Fassadenhaut eingelassene Rechtecke bilden eine abwechslungsreiche Landschaft aus vor- uns zurückspringenden Volumina. Die Farbgebung verstärkt dies zusätzlich: Das Pink hebt Bauteile hervor, das Grün verleiht ihnen Tiefe.

Nicht nur ästhetisch will das Office S&M auffallen, sondern auch auf dem Mietmarkt der britischen Hauptstadt: „Mit unserer Erfahrung im privaten und sozialen Wohnungsbau konnten wir die besten Teile aus beiden Bereichen in dieses Projekt einfließen lassen. Wir konnten mit einer sorgsamen Planung, wie das Haus genutzt werden wird, das größtmögliche Volumen herausholen und hoffen, dass es Maßstäbe für qualitative Mietimmobilien in London setzt“, sagt Hugh McEwen.

Für die Auftraggeberin und Immobilieninvestorin Isla Kennedy von My Property and Home war dies das erste Architekturprojekt, sie hatte sich zuvor darauf konzentriert, Wohnungen zu sanieren. Kennedy hatte sich nach einem schweren Skiunfall, in dessen Folge sie monatelang im Koma lag, dazu entschieden, in den Immobilienmarkt einzusteigen. Das Salmen House soll auf dem überhitzten Londoner Mietmarkt ein begehrtes Objekt für Familien oder Berufstätigen-WGs sein. Wer auch immer einziehen wird, kann sich sicher sein, dass das Haus im Viertel bekannt sein wird.

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