Räumliche Erzählkunst: Suhrkamp in Berlin

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Text: Duy Mac
Foto: Sebastian Dörken

In den neuen Innenräumen des Suhrkamp Verlags am Rosa-Luxemburg-Platz überführt das Berliner Büro Kinzo mit einer strategischen Grundrissüberarbeitung literarische in architektonische Elemente. 

Das im letzten Jahr finalisierte Verlagsgebäude des Suhrkamp Verlags am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin von Bundschuh Architekten revidiert die städtebauliche Figur der einstigen Blockrandbebauung des Architekten Hans Poelzig. Durch die Öffnung des Blockrands entstand aus der einstigen Baulücke ein öffentlicher Raum, der nun von einem dreiteiligen Baukörper aus Sichtbeton und Aluminium umschlossen wird. Die Überarbeitung der rigiden Blockrandkonzeption ist allerdings nur ein Teil der baulichen Erzählkunst. Im Inneren überführten die auf Lebens- und Arbeitswelten spezialisierte Berliner Innenarchitekten das Literarische in das unmittelbar Architektonische.

Ein Raumkonzept, das die Identität des Verlags widerspiegelt
Flächenoptimierende Auffächerungen des Grundrisses in einem konischen, spitz zulaufenden Gebäude: Kinzo Architekten machten sich die Gebäudeform zunutze und entwickelten ein offenes Raumprogramm mit Kommunikationsinseln für spontane Meetings, Think Tanks und Rückzugsmöglichkeiten. Die in Open-Spaces organisierten Arbeitsplätze werden an der schmalen Gebäudeseite geschossweise abwechselnd von Teeküchen und Konferenzräumen mit Sichtachsen auf die Linienstraße gesäumt. Die geschlossenen Lektorats-Zimmer erweitern die offenen Flächen entlang der Torstraße. Hauptfigur des inneren Erschließungskerns ist eine schrägwinklig verlaufende, über alle sechs Geschosse verlaufende Treppe aus Eichenholz.

Hauptprotagonisten des Innenraums: die Bücher
Zur Vervollständigung der literarischen Raumsprache spielte zunächst die Idee, die Bücher als alltägliches Arbeitsmittel in das statische Tragwerk zu integrieren, eine zentrale Rolle. 4.893 laufende Regalmeter, das entspricht etwa 13 Mal der Höhe des Fernsehturms, in Form eigens konzipierter Bücherwände entlang der lasttragenden Gebäudeteile beherbergen heute den gesamten Verlagsbestand.

Als Ausgleich zu den bunten Bucheinbänden des Suhrkamp Verlags blieb Kinzo bei der Einrichtung zurückhaltend: Alle mit Stoff bezogenen Einbaumöbel sind in Dunkelblau gehalten. Die sonstige Möblierung ist in anderen Primärfarben ausgeführt. Die Einrichtung bildet so zum grauweiß melierten Teppichboden der Büros, den Sichtbetondecken, weißen Regalen und dem Grau von Brüstungen und Laibungen einen harmonischen Kontrast.

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