Raster mit Tiefgang

22

Text: Anne Meyer-Gatermann
Foto: Fernando Guerra und Sebastian van Damme

Sortieren und kategorisieren – diese Tätigkeiten sind sowohl Wissenschaftlern als auch Architekten vertraut. Das zeigt sich in dem Neubau für das Institut des Sciences Moléculaires d’Orsay (ISMO), der in ein Raster aus Beton gekleidet ist.

Das niederländische Büro KAAN Architecten hat in Zusammenarbeit mit dem Pariser Büro FRES architectes den Institutsneubau geplant, der Teil des künftigen 600 Hektar großen Campus der Université Paris-Saclay ist. Der Campus auf dem Plateau de Saclay liegt etwa 20 Kilometer südwestlich von Paris und soll in zwei Jahren fertiggestellt werden.

Die Fassade überzieht eine Struktur aus Beton: Sie reckt sich 80 Zentimeter weit von der Fensterfront in den Raum. Hinter der beinahe wehrhaften Hülle verbirgt sich ein zarter luftiger Kern. Der Eingangsbereich ist durch eine leichte Verschiebung des Rasters gekennzeichnet.

Wer eintritt, gelangt in ein transparentes, großzügiges Atrium, in das sich Treppen und Balkone schieben, die in durchsichtige Balustraden wie in eckige Petrischalen eingefasst sind. Damit die Menschen hier nicht die Bodenhaftung verlieren, lenken die großzügigen Fensterfassaden die Blicke auf den Wald, der das Gebäude umgibt. Auch das Auditorium, das mit Eichenholz ausgekleidet ist, erdet den Eindruck des Gebäudes.

Direkt hinter der Südfassade verlaufen die Flure, an die sich die Büros anschließen, während sich die Arbeitsräume um die beiden Lichthöfe gruppieren. An der Nordseite hinter einer Vorhangfassade befinden sich die Labore, in die nur wenig Tageslicht fallen darf. Im Inneren sind drei Forschungslabore, das Institut für molekulare Physik und für physikalische Chemie untergebracht.

Ein Teil des Gebäudes beherbergt Laser, Spectrometer und andere wissenschaftliche Instrumente, im anderen Teil befinden sich ruhige Konferenzräume und Büros.  Was sich an der Fassade ablesen lässt, ist die Unterteilung in Nischen, die aber keine verschlossenen Kämmerlein sind, sondern maximale Transparenz zeigen. Auch das ist ein Wert, der sowohl Wissenschaftlern als auch Architekten gut steht.

Weitere Artikel 13 - 25 von 27 Gemütlichkeit im Binärcode Arbeiten im Floating Space Objective Subject Office: Triptychon mit Minibar Die Kunst des Lächelns: Zahnarztpraxis in Berlin Jenseits des Standards: Coworking in Kopenhagen Cool statt kitschig Vorhang auf in Moskau Willkommen im Boutique-Büro Perforierter Klinkerkubus: Neubau in Mexiko Grüne Grenze Down Under Juun.J in Seoul: Architektur der Dunkelheit MVRDV: Büro im Rohbau

Alle Neuheiten der interessantesten Hersteller und Designer auf einen Blick.