Recycling der anderen Art

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Text: Claudia Simone Hoff
Foto: Åke E:son Lindman


In Stockholms hippstem Bezirk, mitten im quirligen Södermalm, sprühen die Grafikdesigner von Oktavilla nur so vor Ideen: Jeden Tag entstehen hier neue Konzepte für unterschiedliche Kunden. Dieser kreativen Arbeit entspricht nun auch das Büro des kleinen Unternehmens, dessen visueller Transformation sich das junge Architekturbüro Elding Oscarson angenommen hatte,
das ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt ansässig ist. Herausgekommen ist ein helles, aufgeräumtes Loft, das mit farbenfrohen und durchdachten Details gute Laune macht.


Irgendwie sieht es hier so aus, wie man sich skandinavische Innenräume gemeinhin vorstellt: leicht, luftig, lichtdurchströmt, detailverliebt, modern und doch auch gemütlich im besten Sinne des Wortes. Dieser erste Eindruck ist vor allem der Farbwahl des Interieurs geschuldet, denn es kommen vor allem ein strahlendes Weiß für Wände, Decken und Fenster sowie ein heller einfacher Fußboden aus Fichtenholz zum Einsatz, während die Möblierung – ein Mix aus Vintage und eigenen Anfertigungen des Architekturbüros –  Farbakzente setzt.

Wiederverwertung nach Schwedenart: die Trennwand

Gleich tausende von Farbakzenten setzt indes ein ganz anderes Element: die Trennwand zwischen den Arbeitsplätzen und dem Besprechungsraum. Und dies ist nicht einfach nur irgendeine banale Trennwand – nein, sie fällt gleich durch zwei Besonderheiten auf: Zum einen ist ein großes quadratisches Fenster hineingeschnitten, das den kleinen Besprechungsraum zum Arbeitsraum hin öffnet, zum anderen besteht sie aus einem Material, das man in diesem Zusammenhang nicht unbedingt erwartet: aus veritablen Zeitschriften und Magazinen. Zu Stapeln zusammengefasst und offen in einer Unterkonstruktion präsentiert, weisen die wiederverwerteten Magazine nicht nur auf die Tätigkeit der hier Arbeitenden hin, sondern fungieren zugleich auch als akustische Abgrenzung. Denn schließlich braucht man bei Besprechungen Ruhe. Und die finden die Grafikarbeiter, wenn sie sich auf den knallgelben gepolsterten Stühlen an einem runden Tisch niederlassen. Zudem schafft das in der Recycling-Trennwand eingelassene Fenster den optischen Effekt, dass die breite Fensterfront des Büros nicht durchbrochen wird und der weite helle Raumeindruck erhalten bleibt.

Klein, aber fein: die Büroküche

Bevor es in die Besprechung geht, können sich die Mitarbeiter von Oktavilla noch rasch in der kleinen Küche die Milch für den Cappuccino schäumen. Sie ist nicht in einem abgeschlossenen Raum untergebracht, sondern befindet sich mitten im Arbeitsgeschehen, in einem mittig positionierten Serviceblock. Dieser umfasst neben den Küchenschränken zwei WCs und eine Garderobe. Dem offenen Küchenschrank mit Spüle, Arbeitsfläche, Mikrowelle und Ablageflächen gegenübergestellt ist ein geschlossener Holzblock mit Schubladen, der auch als Ablage oder Präsentationsort – nicht ganz unwichtig in einer Grafikdesignagentur – dienen kann. Auf Wunsch des Auftraggebers findet sich gleich neben dem Küchenmodul ein ausgedehnter Essbereich mit langgestrecktem Holztisch und diversen Sitzmöglichkeiten in Form von verschiedenfarbigen, von Vitra produzierten „Standard“-Stühlen von Jean Prouvé, die das industrielle Ambiente des Interieurs unterstreichen. Schließlich befinden wir uns in einer alten Textilfabrik, deren rauer Charakter beibehalten werden sollte. Unterstützt wird die angenehm unprätentiöse Atmosphäre des Büros nicht nur durch Vintage-Möbel von Harry Bertoia und Børge Mogensen sowie die von Elding Oscarson entworfenen Einbaumöbel, sondern auch durch eine magnetische, metallene Pinnwand, mit der der Serviceblock gleich neben dem Essbereich verkleidet ist. Daran kann gepostet werden, was gerade gefällt.

Auch das Loungen hat einmal ein Ende: der Arbeitsbereich

Während die vordere Hälfte des Büros vom Eingangsbereich mit Sitzmöglichkeiten, dem Serviceblock, der Küche und dem Essbereich bestimmt wird, befinden sich in der hinteren Hälfte des insgesamt 160 Quadratmeter großen Raums – zur lichtdurchfluteten Fensterfront hin – die eigentlichen Arbeitsplätze. Diese bestehen aus zwei durchgehenden Arbeitstischen aus Eschenholz-Furnier, an denen sich die Mitarbeiter gegenüber sitzen. Dass die Wahl nicht auf Einzelschreibtische gefallen ist, hat einen simplen, aber nachvollziehbaren Grund: Geschlossene Flächen lassen einen Raum großzügiger wirken und hauchen ihm Ruhe im Getümmel ein. Direkt an die kurzen Seiten der Schreibtische gestellt sind Regale in derselben Höhe, um alltägliche Büro-Utensilien wie Ordner oder Papier zu verstauen. Diese finden zudem Platz in durchgehenden Regalen, die unter der Fensterfront positioniert sind. Kopierer und andere Geräte hingegen wurden vorausschauend in einem separaten kleinen Raum gleich neben dem Besprechungszimmer untergebracht und sind genau wie dieser durch eine gläserne, weiß gerahmte Tür zu erreichen. Dies dient nicht nur der Verbesserung des Geräuschpegels, sondern auch der Schadstoffminimierung an den Arbeitsplätzen.
 
Dass es in diesem Büro einmal ein Mezzaningeschoss gab, die Mitarbeiter in einem fensterlosen Besprechungsraum kreativ sein sollten und der Latte Macchiato in einer Country-Style-Küche angerührt wurde – das mag man heute ob dieses Gute-Laune-Interieurs kaum noch glauben.
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