Rost on the rocks

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Text: Tim Berge
Foto: Lance Herbst

Die Lage dieser Privatresidenz am Hang eines zerklüfteten Felshügels – knapp oberhalb der Waldkante und des Tals – ist geradezu filmreif. Doch nicht nur die atemberaubende Kulisse des beliebten neuseeländischen Wander- und Ausflugsgebiets beeindruckt: Das abgelegene Wohnhaus schafft es, sich in den einzigartigen Kontext einzubinden und doch als eigenständige und zeitgemäße Architektur wahrgenommen zu werden: Rost sei Dank!

Das Bewohnerpaar ist in der Filmindustrie tätig und nutzt das Haus nicht nur als Rückzugsort während der Drehpausen: Es praktiziert auf dem umliegenden, 20 Hektar großen Grundstück auch eine Form der Selbstversorgung, die neben Ackerbau und Tierzucht auch eine hauseigene Schlachterei beinhaltet. Eine, in Zeiten von Ressourcenengpässen, fast schon wieder moderne Lebensweise. Und auch die Architektur geht das Thema Nachhaltigkeit an.

Freundliches Alien
Die Bauherren wünschten sich einerseits eine filmische Herangehensweise an die Architektur, die den Ausblick auf die Landschaft in Szene setzt. Andererseits legten sie großen Wert auf Nachhaltigkeit und eine ressourcensparende Bauweise, die ihren Lebensstil widerspiegeln sollte. Das neuseeländische Architektenpaar Lance und Nicola Herbst konzentrierte sich zuerst auf die Kubatur des Neubaus: Das kompakte Raumprogramm brachten sie in einem rechteckigen Volumen unter, das sie quer zur Felskante und damit in Richtung des Tals ausrichteten. Selbstbewusst sitzt die Wohnresidenz in der Landschaft und macht ihren Anspruch deutlich, als freundlicher Alien gekommen zu sein.

Holz und Blech
Als Baumaterialien verwendeten Herbst Architects Holz und korrodiertes Stahlblech: Beide Werkstoffe werden in der Region oft verbaut und genügtem dem hohen Nachhaltigkeitsanspruch der Bauherren, die sich höchstpersönlich um das Heranschaffen der Materialien kümmerten. Dabei wurde das Holz als Unterkonstruktion und zum Bau von Böden und Decken verwendet – das verrostete Stahlblech dient als wetterfester Außenschutz. Ihre Farbähnlichkeit lässt das Gebäude aus der Ferne wie aus einem Guss erscheinen. Unterstützt wird der Eindruck durch die schmalen, vertikal sitzenden Blechstreifen, die in ihrer Dimensionierung den Holzbalken ähneln und sich erst bei genauerem Hinsehen in ihrer Oberflächenstruktur zu erkennen geben. Im Inneren wird der Materialkanon durch Beton ergänzt, der als Tresen und Küchenblock sowie im Treppenkern zum Einsatz kommt. Der Nassbereich ist dagegen wieder ganz aus Holz und Blech.

Schotten dicht
Das rechteckige Volumen ist vertikal in zwei Ebenen aufgeteilt, die im Wohn- und Essbereich zu einem doppelstöckigen und imposanten Raum zusammenwachsen. Der untere Teil ist weitestgehend vollverglast, kann aber in seinem Inneren durch Holzschiebewände abgedunkelt und blickdicht verschlossen werden. Die obere Etage funktioniert gegenteilig: Die Fassade aus Wellblech scheint Schlaf- und Badezimmer komplett zu umschließen. Doch auf den ersten Blick unsichtbare Schotten ermöglichen es den Bewohnern, ihren Schlaf- und Badebereich ebenfalls nach außen zu öffnen. Schmale Ausschnitte legen die beeindruckende Aussicht auf die eigenen Schafe und Ziegen und die umliegende Landschaft frei. Hier schließt sich der Kreis wieder zwischen Architektur und Natur, der bei diesem Bau einige gelungene Runden zieht und einem perfekten Skript zu folgen scheint.

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