Schattenspiele

9

Text: Katharina Horstmann
Foto: Hiroshi Ueda


Yokosuka hat eine geschichtsträchtige Vergangenheit. In der Hafenstadt auf der Halbinsel Miura südlich von Tokio wurde Mitte des 19. Jahrhunderts die Öffnung und Modernisierung Japans durch die Amerikaner eingeleitet und zudem ein wichtiger Marinestützpunkt aufgebaut. Auch heute noch sind viele Ortsteile entlang der Küste nur für Militär und Industrie zugänglich, doch nicht ausschließlich. An einer der vielen Steilküsten ist in den letzten Jahren eine Wohnsiedlung entstanden, in der Kazuhiko Kishimoto vom Architekturbüro acaa kürzlich ein luftiges Einfamilienhaus geschaffen hat. Es bettet sich perfekt in die Topografie der Küstenlandschaft ein, spielt dabei mit den Schatten der Umgebung und hat – wie sollte es bei der Geschichte des Ortes auch anders sein – nur eines im Blick: das Meer.
 
 
Das Gebäude steht auf einem steilen Abhang oberhalb einer Bucht und ist umgeben von weiteren Wohnhäusern. Um die Sicht auf den Ozean und die Umgebung nicht zu verstellen und trotzdem die Fläche so weit wie möglich auszunutzen, entwickelte der Architekt Kazuhiko Kishimoto eine Struktur, die ganz zur Klippe ausgerichtet und in diese hineingebaut ist. Sie nimmt die gesamte Uferseite ein und umfasst Glasfronten, die von hölzernen Jalousietüren umschlossen sind. An der Straßenfront wirkt der Bau wie ein kleiner Bungalow mit einem flachen Satteldach, zum Wasser öffnet sich das gesamte dreigeschossige Gebäude. „Wir haben uns für eine tiefliegende Bauform entschieden, die den Konturen des Geländes getreu in die Landschaft eingebettet ist“, erklärt der Architekt. „Dabei spielen die Wände eine Schlüsselrolle.“ Denn neben den dunklen Jalousien sind Paneele aus japanischem Papier in die Fenster integriert, die selbst im geschlossenen Zustand natürliches Licht ins Innere holen und dabei mit den Schatten der Umgebung spielen.
 
Nahtlose Übergänge

Betritt man das dreigeschossige, 290 Quadratmeter große Gebäude, findet man sich in einem kleinen Flur mit hölzernen Boden und Decke wieder. Er führt an einem Treppenhaus vorbei in einen großen, mit natürlichem Licht durchfluteten Raum, der auf das Meer blickt und eine offene Wohnküche beinhaltet. Hier lassen sich die Jalousietüren und Glasfronten ganz aufschieben, so dass sich die Grenze zwischen Außen und Innen aufzuheben scheint. Auf der linken Seite des Zimmers befindet sich vor einer eingezogenen Wand eine lange hölzerne Küchenzeile mit Kochinsel; davor steht ein länglicher hölzerner Esstisch, um den vier lederne Stühle gruppiert sind.
 
Schatten als gestalterisches Detail
 
Öffnet man eine der gläsernen Schiebetüren, gelangt man auf eine aus dunklen Holzleisten gestaltete Terrasse, die stufenartig in den Hang integriert ist. Neben dem Treppenhaus am Eingang des Gebäudes führt hier eine Außentreppe in die erste untere Etage. Im Unterschied zur oberen sind die Böden hier dunkelgrau gefliest und die Außenwände bestehen aus weiß verputzten Betonwänden – nur die Front zum Ozean ist verglast. Auf ihrer linken Seite befindet sich ein kleiner Raum im japanischen Stil – ein „Washitsu“ – mit Tatami-Matten als Bodenbelag. Auf ihrer rechten Seite steht eine große Sitzecke mit einem grau bezogenen Ecksofa. Sind die Fenster geöffnet, haben die Bewohner von hier aus einen herrlichen Panoramablick über die Bucht; mit den Papierpaneelen verschlossen, werden die Schatten der Bäume und Pflanzen der Nachbarschaft als gestalterisches Detail in den Innenraum geholt.
 
Nichts als das Meer
 
Von der Sitzecke führen vier Stufen auf ein kleines Podest, von dem das innere Treppenhaus und ein großes Schlafzimmer abgehen. Letzteres ist der einzige Raum des Hauses, der zur Straßenseite ausgerichtet ist. In der Mitte des Raumes steht ein großes Doppelbett, links davon ein kleiner Waschtisch. Dahinter führt eine Treppe in die unterste Etage des Hauses, die einen Abstellraum und ein großes, auf das Meer ausgerichtetes Arbeitszimmer beherbergt. Rechts vom Bett befindet sich ein begehbarer Schrank, dahinter ein geschlossenes WC. Diesem gegenüber – neben dem „Washitsu“, ebenfalls  zum Ozean schauend – ist das eigentliche Badezimmer untergebracht. Im Unterschied zu den anderen Bereichen der Etage wählte Kazuhiko Kishimoto für diesen Raum sandsteinfarbene Bodenfliesen. Die Decke ist aus Holz, die Wände sind entweder mit beigefarbenen Mosaiksteinen besetzt oder schlicht geweißt.
 
Baden mit Panoramablick
 
Auf der linken Seite steht ein langer, linearer Waschtisch, auf dem ein geometrisch geformtes, sanft an den Ecken abgerundetes Waschbecken angeordnet ist. Dahinter liegt der Bade- und Duschbereich, der durch eine gläserne Wand vom vorderen Teil abgetrennt ist. Einer großen, offenen Dusche folgt eine großzügige, vieleckige Badewanne, die in den leicht erhöhten Boden direkt vor eine große Fensterfront eingebaut wurde. Sie ist der perfekter Ort, um abzuschalten und zu Ruhe zu kommen, und dabei den Blick weit schweifen zu lassen – über die Steilküste, das Meer und den Horizont.
Weitere Artikel 13 - 14 von 14 Besser baden in Barcelona Spieglein, Spieglein

Täglich neue Themen und Produkte aus Office, Living, Licht, Bad und Küche.