Schaufenster in den Wald: Tiny House in New York

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Text: Jeanette Kunsmann, Foto: Matthew Carbone

Partner: Vola

Eskapismus auf 17 Quadratmetern: Mit Miniküche, Bad und Bett ausgestattet, lässt sich dieser Prototyp als Wochenendhaus, Unterkunft für Gäste, Musikstudio oder kreativer Rückzugsort nutzen.

Die Gleichung ist bekannt: Gute Architektur braucht ebenso gute Architekten wie gute Bauherren. Im Fall dieses Tiny House im US-Bundesstaat New York hat sich das 2017 von Soren Rose gegründete Unternehmen Klein einen Architekten als Partner gesucht, dessen Namen in jeder Hinsicht gut passt. Die Bjarke Ingels Group hat nämlich diese nur 17 Quadratmeter fassende Holzhütte in einem Waldgebiet bei New York City entworfen. „Klein goes small with BIG“, lautet der dementsprechende Claim.

Das lässt sich auch anders herum lesen, da BIG eher für seine Großprojekte bekannt ist, als für Kleinode dieser Art. Und auch die bekannte Handschrift von Bjarke Ingels fehlt, der sich bisher weniger für jegliche Form von Minimalismus einen Namen gemacht hat. Was ist passiert?

Kompaktes Kleinod
Immerhin trifft Bjarke Ingels mit seinem skandinavischen Holzbau irgendwie den Hygge-Hype unserer Zeit, denkt diesen aber weiter, im Inneren wirkt das Haus fast japanisch. Verpackt in eine schwarze Holzfassade aus gebrannter Kiefer, sorgt im Inneren helles Naturholz für eine größere Raumwirkung der kompakten Miniarchitektur – wobei das einzige Fenster eine der vier Fassadenseiten in seiner triangulären Gesamtheit einnimmt. Nur ein Fenster einzuplanen, bedeutet Mut, schafft aber auch einen fokussierten Ausblick.

Interior und Bad
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Die besondere Dachkubatur basiert auf einer Rotation im quadratischen Grundriss, sodass sich mal das klassische Zeltdach, mal ein Spitzdach, mal ein Giebeldach bildet. Knapp vier Meter hoch, bietet die Hütte damit ein kompaktes Spiel aus Knicken und Faltungen, das sich von jeder Seite anders zeigt. Die zugrundeliegende A-Rahmen-Konstruktion, die sich vollständig recyceln lässt, sowie die Drehung um 45 Grad geben dem autarken Minihaus seinen kurzen Namen A45.

Dänisches Duett
Dass Soren Rose selbst Innenarchitekt ist (er leitet das 2009 gegründete Studio Soren Rose in Kopenhagen), erklärt den qualitativ hochwertigen Innenausbau. Der dänische Entrepreneur wählte zusammen mit seinem ebenfalls dänischen Kollegen Bjarke Ingels die Expertise skandinavischer Hersteller wie die des Familienbetriebs Dinesen, der die hochwertigen Dielenböden aus Douglasienholz produziert. Für das Bett entschied sich das Team für Textilien von Kvadrat (entworfen von Soren Rose), die Möbel kommen vom Traditionshaus Carl Hansen & Søn und für die Waschtisch- sowie die Duscharmaturen wählte man die Serie 111 von Vola.

Entworfen wurde diese schließlich von einem dritten dänischen Designer und Architekten: Arne Jacobsen, der 1961 den Grundstein für die Vola-Armaturen legte. Als wahrer Klassiker gibt es diese heute in acht verschiedenen PVD-Beschichtungen von Chrom bis Tiefschwarz. In diesem Mini-Badezimmer, das die Architekten komplett mit versiegeltem Zedernholz ausgekleidet haben, sodass man sich wie in einer feinen Holzkiste fühlt, glänzt die Variante als hellgoldenes Wandmodell mit Einhandmischer. Beide lassen sich geschickt unter dem Zedernholz montieren und setzen so einen minimalen Akzent in der naturbelassenen Miniarchitektur.

Für Klein House markiert A45 gleichzeitig den Start, es sollen weitere Minihäuser mit internationalen Architekten entwickelt werden, kündigt Soren Rose an. Seine Tiny Houses werden gut verpackt geliefert und dann vor Ort aufgebaut – selbst das großformatige Fenster teilt sich in sieben Glaselemente, um den Transport nicht unnötig zu verkomplizieren. Allein für den Ausblick sind die Nutzer dann noch selbst verantwortlich.

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