Schein einer Scheune: Landhaus in Australien

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Text: Markus Hieke, Foto: Nicole England

Partner: Artemide

Für diesen Landhausneubau im australischen Shoreham setzen die Architekten Thomas Honeyman und Sara Smith gestalterisch auf leise Töne und auf die Ästhetik natürlicher Komponenten. Das Interieur trägt zwei Charaktere, die sich gegenseitig ergänzen.

Die Halbinsel Mornington liegt südlich der Port-Phillip-Bucht vor Melbourne. Sie ist eine von zwölf sogenannten Green Wedges, geschützten Zonen rundum die Metropole, die einerseits das Flächenwachstum der Stadt begrenzen und andererseits mit ihren Naturreservaten zur Erholung sowie als Gebiete mit festgelegten landwirtschaftlichen Regeln dienen sollen. Mit seinen knapp 400 Einwohnern liegt Shoreham direkt am Meer. Das Journey-Haus von Honeyman + Smith entstand weiter im Landesinneren, wo sich auf Hügeln etliche Weinfelder aneinanderreihen.

Als Anforderung stellte der Bauherr, dass sein Neubau wenig Auswirkung auf die Umwelt und eine gute Integration in die Umgebung habe, erklären die Architekten. So bleibe er in der Lage, im Rahmen der Green-Wedge-Reglementierung den Anbau seiner Reben fortzuführen.

Zwei Teile einer Einheit
Das Gebäude besteht aus zwei unterschiedlich großen Volumen, die orthogonal zueinander platziert sind. Das größere trägt ein Satteldach und eine Hülle aus Holzplanken. Vorgelagert dient eine Überdachung als Autostellplatz. Am gegenüberliegenden Ende schließt der etwas tiefer gelegene und flachere Teil mit seiner schwarzen Fassade an. Ziel der Architekten war es, den Neubau sowohl vernakular als auch unter Berücksichtigung seines grünen Standortes zu integrieren. Während der obere Teil des Baus so eher wie eine Scheune wirkt, bringt der flache Riegel die Behaglichkeit eines Bungalows mit sich.

Grundriss

Drinnen fangen großzügige Fensteröffnungen Blicke nach Nord, Ost und West ein. Auf 500 Quadratmetern Fläche reihen sich die Wohnbereiche vom größeren Gebäudeteil mit drei Schlaf- und einem Arbeitszimmer, zwei Bädern und einem offenen Bereich mit Billardtisch zum privateren, unteren Teil an, der durch wenige Stufen verbunden ist. Neben dem Wohn- und Essbereich befindet sich hier die Küche, der Zugang zur Terrasse sowie ein weiteres, großes Schlafzimmer mit Ankleidebereich und Ensuite-Badezimmer.

Eine Wanderung
Verbindendes Element zwischen drinnen und draußen sind schlanke, weiße Säulen, die auf die Leichtbaukonstruktion des Hauses hinweisen. Am Boden spielen die Architekten mit den Materialien: mal rustikale Natursteinfliese und Bodenziegel, mal Holzparkett, mal polierter Estrich. Das Begehen des Hauses gleicht einer Wanderung durch Elemente – die durch die Wandgestaltung von Dunkelgrün über florale Tapeten bis Weiß begleitet wird. Bei der Möblierung kommen antike Stühle neben einem reduzierten Esstisch oder ein altes Büffet neben schlichten Einbaumöbeln zur Geltung. Farbtupfer der Küche sind himmelblaue Theken.

Leuchten von Artemide: Aggregato, Foto: Artemide
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In puncto Beleuchtung haben die Bauherren einen klaren Favoriten – mehrere Artemide-Leuchten kommen im Haus zum Einsatz: Castore Sospensione, eine Pendelleuchte aus der Feder von Michele De Lucchi (Esstisch und Loungebereich), die Deckenleuchte Tagora der Belgier Serge und Robert Cornelissen (Wohnbereich) sowie mit Aggregato von Enzo Mari zwei weitere Pendelleuchten über dem Billardtisch. Über dem Schreibtisch im Arbeitszimmer hängt mit Tolomeo als Deckenversion ein Klassiker des italienischen Herstellers, ebenso von De Lucchi.

„Unser Entwurf soll im umliegenden Kontext funktionieren und versucht ein Vorbild für angemessene Gestaltung in den Green-Wedge-Zonen zu sein“, meinen die Planer. So stammen auch die Baumaterialien überwiegend aus regionalen Ressourcen. Auf diese Art erreichen Honeyman + Smith eine minimale Auswirkung auf das Land, wobei die Ruhe und relative Einsamkeit der Umgebung respektiert werden. Im Gegensatz dazu scheint sich das Interieur von zwei Seiten zu zeigen – einer ruhigeren, geerdeten und einer deutlich lebhafteren.

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