Schreibwaren für Digital Natives

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Text: Esther Blau
Foto: Luis Beltrán

Die digitale Kommunikation in der industrialisierten Welt ist so allgegenwärtig, dass die Menschen im Privaten nostalgisch auf althergebrachte Formen des Schreibens zurückgreifen – mit Tinte auf Papier. So feiert das Notizbuch sein Comeback. Beispielsweise haben sich die Verkäufe von Moleskines in den letzten zehn Jahren verdreifacht. In Spanien erweitert sich das Traditionsunternehmen Cuadernos Rubio und eröffnet einen Concept Store in seiner Heimatstadt Valencia, dessen Innenraum an illustrierte Kinderbuchseiten erinnern. Entworfen hat den bunten Schreibwarenladen das Studio Masquespacio aus Barcelona.

Vom Schulheft zum Lifestyle-Notebook
Cuadernos Rubio wurde 1956 von einem Schullehrer gegründet und spezialisierte sich damals vor allem auf Schulhefte mit liniertem oder kariertem Muster auf Papier. Später erweiterte das Unternehmen sein Angebot um Lifestyle-Notizbücher für Erwachsene. Doch Hauptkonsumenten von Schreibwarenbedarf sind vor allem Kinder und Jugendliche, also eine Zielgruppe, die ihre Zeit in der Regel gerne vor Bildschirmen verbringt. Deshalb setzten die Raumgestalter Ana Milena Hernández und Christophe Penasse in ihrem Entwurf einerseits die Wertschätzung des Verlags für Papierprodukte in ihrem Design um, andererseits schafften sie digitale Schnittstellen – vor allem für junge Kunden.

Mosaikfliesen und buntes Acrylglas
Auf einer Fläche von 200 Quadratmetern repräsentiert Cuadernos Rubio die Geschichte und Zukunft des Unternehmens mit leuchtenden Farben, elementaren Formen und einfachen Mustern. Vom großen zentralen Eingangsraum wird der Besucher in die Nischen mit unterschiedlichen Präsentationsformen zwischen digital und analog geführt. Traditionelle Mosaikfliesen an den Wänden und auf dem Boden in Schwarz-Weiß kontrastieren mit buntem Acrylglas, das von hellem Neonlicht beleuchtet ist. Das karierte Wandmuster ahmt das Erscheinungsbild einer Papierseite nach. An den Wänden hängen rotierende Regale mit Tafeln für die Buchprodukte. In einer Art Zeitmaschine in grellgelbem Acrylglas, die an Doctor Who’s Telefonzelle erinnert, können die Besucher mit einer Augmented-Reality-Brille durch die Geschichte von Cuadernos Rubio surfen.

Mit Licht schreiben
Ein weiteres Highlight ist der sogenannte Lucigrafía-Raum, ein von Rubio erfundener Begriff, der als „Schreiben mit Licht“ übersetzt werden kann. Die leicht abgedunkelte Kabine ist vor allem für die jüngsten Besucher interessant, die auf einem hintergrundbeleuchteten Vinylpanel mit einem Flash-Stift malen oder schreiben können. Der Concept Store kombiniert in seinem Innenraumdesign analoge und digitale Präsentation miteinander und zeigt, dass, obwohl wir heutzutage ständig vor dem Bildschirm sitzen, das Bedürfnis steigt, sich von elektronischen Geräten zu trennen und auf Papier zu schreiben.

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