Schwarz auf Schwedisch

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Text: Nina C. Müller
Foto: Åke E:son Lindman

Die Inspiration für dieses Wochenendhaus in Aspvik bei Stockholm? Ein alter chinesischer Aussichtsturm. Architekt Andreas Martin-Löf hat das Haus für sich selbst gebaut, in einem eklektischen Mix aus handgemachten Elementen, Marmor und Multiplex. Das Ergebnis: ein ganz eigener, avantgardistischer Stil, in dem Skandinavien auf Asien trifft.

„Der ewige Sommertraum“ – so lautet Stockholms Slogan, mit dem die Hauptstadt Schwedens jedes Jahr unzählige Touristen anlockt. Doch es ist nicht nur die Metropole an sich, die eine so große Anziehungskraft ausübt, sondern auch die Tausenden von großen und kleinen Inseln, die ihr vorgelagert sind. In dieser naturnahen Region besitzt die Familie von Andreas Martin-Löf schon seit den 1950er Jahren ein sechs Hektar großes Grundstück. Darauf ein 1917 im chinesischen Stil erbauter Aussichtsturm wie auch ein kleiner Anbau aus den 60er Jahren. Jetzt plante der Architekt ein weiteres Gebäude, das direkten Bezug zu seiner Umgebung nimmt.

Architektur in Handarbeit 

Direkt an einem steilen Hang gelegen, bietet der Baugrund einen weitläufigen Blick auf den umliegenden Kiefernwald wie auch auf Schwedens Schärenküste, von der man den Schiffsverkehr um Stockholm beobachten kann. Was das ursprüngliche Areal von Anfang an so attraktiv machte, stellte für den Umbau jedoch eine besondere Herausforderung dar: Aufgrund des begrenzten Zugangs musste zunächst ein Kiesweg zum geplanten Bau angelegt werden. „Und sogar trotz der neuen Straße mussten alle Komponenten des Gebäudes per Hand nach oben transportiert werden “, so der Architekt.

Asiatische Anklänge 

Etliche Teile wurden daher in nahegelegenen Werkstätten produziert und dann vor Ort zusammengefügt. Doch wer glaubt, ein traditionelles Schwedenhäuschen vorzufinden, der irrt. Das neue Gebäude sieht keineswegs skandinavisch aus. Stattdessen orientierte sich  Martin-Löf an dem im chinesischen Stil erbauten Aussichtsturm und plante ein leicht ansteigendes Dach wie auch eine weit überhängende Traufe. Als Reminiszenz an traditionelle Tempelanlagen verlieh er den äußeren Wänden zudem einen Neigungswinkel von fünf Grad.

Schnitte und Grundrisse
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Schwarz, grün
Die Verkleidung aus Sperrholz tünchte er in tiefes Schwarz – ebenfalls ein Zitat asiatischer Architektur. Neben den architektonischen Bezügen war ihm aber auch eine Verbindung zur umliegenden Landschaft wichtig. So gibt es in den Wänden bodentiefen Öffnungen und der Holz-Stahl-Bau ist mit einer umlaufenden Veranda ausgestattet. Sie führt zum hauseigenen Pool. „Zum anderen fungiert sie aber auch als direkte Verbindung zu den angrenzenden Baumkronen“, sagt der Architekt und Bauherr.


Marmor trifft Multiplex
Obwohl die reduzierten Materialien und Formen dem gesamten Haus eine schlichte, minimalistische Ästhetik verleihen, ist es im Inneren trotzdem detailverliebt: Fenster und Türen wurden handgefertigt. Hinzu kam ein maßgefertigtes Holzregal, das auch als Raumteiler dient. Multiplex, das hier als vollflächige Wandverkleidung für den gesamten WohnbereichVerwendung findet, gilt zwar als einfacher und kostengünstiger Baustoff, schafft mit seiner kräftigen Maserung aber zusätzlich eine durchdachte Verbindung zur Natur. Außerdem sorgen die rohen Platten für einen spannenden Materialkontrast: In Bad, Sauna und Küche treffen sie auf schwarzen Nero-Marquina-Marmor, weißen Marmor und Details aus poliertem Messing. Die Armaturen in Küche und Bad kommen vom dänischen High-End-Hersteller Vola.

Dieser Mix aus simplen und luxuriösen Charakteristika verleihen dem Interieur eine individuelle, elegante Anmutung, die sich zugleich dezent in die natürliche Umgebung einfügt. So wird der einfache 70-Quadratmeter-Bau zu einem komfortablen Refugium, und – nach den beiden historischen Gebäuden – auch zu einem neuen Kapitel Baugeschichte.

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