Schwarz auf Weiß statt Pomp und Pracht

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Text: Jasmin Jouhar
Foto: Michael Sazel


Es mag aufregendere Aufgaben für Architekten geben als diese: Das Büro Limit aus Wien wurde beauftragt, den Empfangs- und Meetingbereich einer Anwaltskanzlei neu zu gestalten. Allerdings besteht die Belegschaft der ebenfalls in Wien ansässigen Kanzlei Noll und Keider lediglich aus zwei Anwälten und drei Assistenten. Entsprechend überschaubar waren die Räumlichkeiten, die es umzubauen galt: ein Flurbereich, der sich mit umlaufendem Grundriss um einen Lichthof legt und ein angrenzender Besprechungsraum – insgesamt 110 Quadratmeter Fläche. Limit antwortete auf den doch begrenzten Spielraum mit einem minimalen Einsatz der Mittel bei maximalem Effekt: Das Interieur lebt von der Beschränkung auf Schwarz und Weiß und dem naturgemäß starken Kontrast zwischen den beiden Farben.



Alles ist entweder schwarz – oder weiß: Der Boden ist mit schwarzem Teppich ausgelegt, die Wände sind weiß gestrichen oder mit schwarzem Glas verkleidet. Die Türen und Leuchten sind weiß und die Möbel schwarz oder weiß. Auf der kleinen und engen Fläche des Entrées und des Konferenzraums entsteht so eine kühle Atmosphäre, die einen vielleicht an eine Bar oder an ein Labor denken lässt, nicht aber an eine Kanzlei, deren Mitarbeiter sich mit Urheberrecht und der Restitution von Kunstwerken beschäftigten. Ein gediegen großbürgerliches Ambiente mit Gemälden, Teppichen und Holzvertäfelungen, die man in so einem Büro – zumal in einem Vorkriegsaltbau im ersten Wiener Bezirk – erwarten könnte, sucht man bei diesem Projekt vergebens. Das Interiorkonzept von Limit setzt stattdessen ganz auf eine zeitgenössisch-glatte Ästhetik. Warum die Architekten sich farblich und materiell so zurückgenommen haben, begründen sie mit dem Aufgabengebiet der Kanzlei: „Alles dreht hier um Bilder. Wir wollten da einen Gegensatz schaffen. Einen Raum, der sich Bildern und Farbe völlig entzieht.“ Anwälte und Klienten sollen sich in einem Raum bar jeglicher visueller Ablenkung treffen, so dass sie nur das eine Bild im Sinn hätten, das sie zurück erkämpfen wollen.

In der Schwebe

Den einmal um den Lichthof herumlaufenden schlauchartigen Flur werteten Limit zum Empfangsbereich auf: Eine schwarz-spiegelnde Glaswand mit dem Namenszug der Kanzlei gegenüber der Eingangstür begrüßt den Besucher. Eine Reihe von fünf weißen Stühlen „Little Albert“ von Ron Arad für Moroso bildet den Wartebereich und scheint dank des Farbkontrasts fast auf dem schwarzen Teppich zu schweben. Schräg zu den Flurwänden angebrachte Leuchtstoffröhren an der Decke lockern die strenge Wirkung etwas auf. Zu den Büros und Nebenräumen gelangt man durch weiße, hochglänzende Schiebetüren aus Kunststoff, die wiederum schwarz beschriftet sind. Zwei schwarze Garderobenständer akzentuieren das Entrée.

Nackte Wände ohne Dekoration

Der zweite Teil von Limits Planungen galt dem Konferenzraum, der links neben dem Eingang liegt. Auch der Raum mit rechteckigem Grundriss ist schlicht schwarz-weiß: weiße Wände, schwarzer Teppichboden und eine weiße Deckenleuchte. Den langen, schwarzglänzenden Besprechungstisch haben die Architekten eigens für die Kanzlei entworfen. Um ihn gruppieren sich zwölf schlichte, schwarze Stühle des Modells „Oxford“ vom dänischen Hersteller Fritz Hansen. Die Wände sind geradezu nackt, kein repräsentatives Kunstwerk schmückt die weißen Flächen. Wer sich hier in ein vertracktes juristisches Problem vertiefen will, wird garantiert von keiner Dekoration, von keiner gestalterischen Extravaganz abgelenkt.
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