Schwarze Schale, weißer Kern

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Text: Jeanette Kunsmann, Foto: Adrien Williams

Partner: Ligne Roset

Das kanadische Architekturbüro Atelier Général mag starke Kontraste, besonders Schwarz-Weiß. Ihr gerade fertiggestelltes Wohnhaus im Skiresort Mont Shefford in Granby fügt sich mit seiner schwarzen Fassade und einem weißen Kern in das Portfolio des Architektenduos Alexis Naylor und Stephanie Plourde ein. Innen wird es gemütlich.

Wenn junge Architekten mitten im Wald einen zeitgenössischen Holzbau planen, sehen sie oft schwarz. Gemeint ist damit natürlich allein die äußere Erscheinung. Warum sich Jahr für Jahr immer mehr tiefschwarze, abstrakte Volumen zwischen Baumstämmen verstecken, wird vermutlich an der Vorliebe für gebaute Statements im ländlichen Raum liegen. Ob aus Holz, Metall oder Beton: Schwarze Fassaden haben einfach Kraft.

Grundriss Sockelgeschoss
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Zwischen Felsen und Ahornbäumen vermittelt auch das aktuelle Projekt von Atelier Général aus Montreal. Bürogründer Stephanie Plourde und Alexis Naylor wollten den zweigeschossigen Neubau mit der bergigen Landschaft des Mont Shefford „verschmelzen“ lassen – wie es Architekten gerne nennen. Gemeint ist eine Art Analogie der Topographie: eine architektonische Imitation der Natur. Und so kommt es, dass dieses Haus auch den französischen Titel La Roche trägt, auf Englisch: The Rock, also der Berg.

Die Aufteilung ergibt sich durch die Größe der jeweiligen Etagen. Während das weitaus größere Wohnobergeschoss an eine offene Holzterrasse anschließt, befindet sich in der halb so kleinen, unteren Etage – dem Sockelgeschoss – die überdachte Zufahrt mit Stellplatz. Sie markiert den Eingang und garantiert eine trockene Ankunft bei jedem Wetter. Die im Grundriss spitz zulaufende Form ahmt hingegen die Felsmassive der Umgebung nach. Im darüberliegenden Geschoss ergibt sich eine auskragende Loggia mit dramatischem Blick in die unberührte Natur.

Von außen ein geschnittener Block mit mattschwarzer Holzfassade, der fast etwas abweisend wirkt, haben die Architekten im Inneren freundliche Räume mit großen Fenstern geschaffen: ein kleines, gemütliches Nest im Wald. Die rohbelassene Deckenkonstruktion aus hellem Holz spiegelt sich in dem geschliffenen Estrichboden, am Ende jeder Raumachse öffnet sich der Blick in die Weite des Waldes. Die Bewohner sollten ein schützendes Dach bekommen und sich dennoch mitten in der Natur fühlen. Deshalb wurde auch die Badewanne nicht hinter Wänden verborgen, sondern steht fast frei im Raum.

Weiches Nest aus Schaumstoff: Togo von Ligne Roset
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Verbunden sind die zwei Wohnebenen über eine einfache Holztreppe. Im Sockelgeschoss war neben Garage inklusive Haushaltsraum und zweitem Bad noch Platz für zwei Gästeschlafzimmer, was das Haus zum perfekten Refugium für lange Wochenenden mit Freunden macht. Um das heimelige Nestgefühl noch zu verstärken, wollten die Besitzer nicht irgendeine moderne Sofalandschaft, sondern ein ganz bestimmtes Sitzmöbel, in dessen Schaumstoff man wunderbar versinken kann. Der französische Ligne Roset-Chefdesigner Michel Ducaroy (1925–2009) hat mit seinem Togo von 1973 einen Klassiker entworfen, den nicht nur Architekten lieben. Der Bezug durfte in diesem Fall weder schwarz noch weiß sein – das Togo-Sofa „verschmilzt“ hier nämlich mit dem Boden.

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