Sevil Peach: Büro-WG in Helsinki

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Text: Jeanette Kunsmann

Partner: Artek, Vitra

Ein Büro als Showroom? Klingt erstmal mehr nach Konzept als nach einer wirklich guten Idee für den Arbeitsalltag. Nicht mit der Büroexpertin Sevil Peach, die das neue Artek-Headquarter in Helsinki gestaltet hat. Hier können die Mitarbeiter ihre E-Mails vom Sofa aus beantworten, sich am Esstisch besprechen oder in der offenen Küche treffen: Dieses Büro funktioniert wie eine WG, mit Möbeln von Artek und Vitra als Mitbewohner.

Dass sich die Arbeitswelt verändert, proklamieren die Büroeinrichter schon seit vielen Jahren und entwickeln stetig passende Antworten auf die Frage nach der Zukunft der Arbeit. Wer aber kümmert sich um die Gegenwart? Die Londoner Büroplanerin Sevil Peach ist eine Expertin für ungewöhnliche Bürokonzepte, die nicht nur auf dem Foto ein nettes Bild abgeben, sondern von den Mitarbeitern gelebt und geliebt werden. Mit erfolgreichen Referenzen wie den Büros für Vitra in Weil am Rhein und in Birsfelden und dem Headquarter von Kvadrat im dänischen Ebeltoft lag es Nahe, dass man das Londoner Team von SevilPeach Architecture + Design auch nach Helsinki holt, um dort den neuen Hauptsitz von Artek zu entwickeln.

Wohnzimmer mit der Kiki-Collection von Tapiovaara und dem Kaari Wall Shelf von den Bouroullecs

Die finnische Möbelmarke, die seit 2013 zur Vitra-Gruppe gehört, wollte kein verstecktes Office im Backstage-Bereich, sondern eine offene Arbeitsumgebung im Showroom. Auf diese Weise können sich Architekten, Partnerhändler und Geschäftskunden auf Einladung selbst von der Artek-Welt überzeugen und diese erleben. In der heutigen Zeit, in der sich alle Prozesse mehr und mehr digital abspielen, spielt das physische Büro eine relevantere Rolle als je zuvor, lautet die These der Londoner Architektin.

Küche und Marktplatz

Die Themen Offenheit und Transparenz behandelt das Team von Sevil Peach konsequent: In dem Bestand, einem Altbau aus dem 19. Jahrhundert, wurden alle Türen entfernt – mit Ausnahme von Besprechungsräumen und Badezimmern. So entstand eine offene Fläche von 470 Quadratmetern, die sich in fünf Arbeitszonen unterteilt: Der Pausenbereich mit offener Küche versteht sich als Markplatz, die Besprechungstische und die Bibliothek dienen als sozialer Mittelpunkt im Artek-Büro. Daneben gibt es eine speziell eingerichtete Zone für Musterbibliothek und Präsentationsregale, einen Mitarbeiterbereich für Garderobe, Schließfächer und Toiletten sowie eine Copy-&-Print-Area.

Natürlich haben die Artek-Mitarbeiter eigene Schreibtische, dennoch können sie den gesamten Raum individuell je nach Bedürfnis und Laune nutzen. Mal denkt es sich vielleicht besser auf einem Sofa mit Blick nach draußen, eine kurze Absprache in der Küche minimiert den E-Mail-Verkehr und spart Zeit, und eine Konferenz am Esstisch hilft der Teambildung. „Es ist nicht nur eine Frage des Raums, den ich erschaffe“, sagt Sevil Peach. „Ebenso wichtig ist, wie sich Menschen in diesen Räumen verhalten.“ Die Zukunft der Arbeit beginnt schon jetzt.

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