Sichtbar unsichtbar

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Text: Julia Bluth, Foto: Hufton + Crow


Der Legende nach war es ein Wettstreit zwischen dem irischen Riesen Finn Mc Cool und seinem schottischen Konkurrenten Benandonner, der das beeindruckendste Naturschauspiel Nordirlands entstehen ließ: den Giant´s Causeway. Geschätzte 40.000 vulkanische Basaltsäulen, die sich bis zu zwölf Meter hoch vor der Küste Antrims auftürmen und seit 1986 zum UNESCO Welterbe zählen – eine ikonische Landschaft. Und vor allem: ein sensibler Baugrund.


2005 schrieb der National Trust einen internationalen Wettbewerb für das neue Besucherzentrum als Tor zu dem geschützten Küstenabschnitt aus. Gewonnen haben ihn die Dubliner Architekten von heneghan peng architects mit ihrem ebenso spektakulären wie zurückhaltenden Entwurf.

Gefaltete Baukörper

Als „zwei Faltungen in der Landschaft“ beschreiben die Architekten ihr Gebäudeensemble – „sichtbar und unsichtbar gleichermaßen“. Die westliche „Faltung“ bietet Raum für den Empfangs- und Ausstellungsbereich, während die östliche den großen Besucherparkplatz zur Küste sowie zur Anfahrtsstraße hin abschirmt. Im Zentrum der beiden Bauten befindet sich eine hohe Rampe mit Aussicht auf den Giant´s Causeway. Die durchgängige Fassadenstruktur aus vertikalen Fenstern und schwarzen Basaltpfosten spiegelt die natürliche Geometrie der vulkanischen Küstenlandschaft und steht im Kontrast zum grünen Grasdach, das sich organisch in das Patchwork der umliegenden Felder einfügt. Die Innenräume des Besucherzentrums befinden sich auf verschiedenen Ebenen, die über Rampen miteinander verbunden wurden. So entsteht ein fließender Übergang zwischen den unterschiedlichen Nutzungen, der wie eine natürliche Wegleitung funktioniert. Das Café am Haupteingang lockt mit einer Panoramaaussicht über die Küste. Und am Ende des Rundgangs gelangen die Besucher direkt auf den Zugangspfad zu den schwarzen Säulen des Giant´s Causeway.

Wirkung ohne Wahrnehmung

Die ungewöhnliche Architektur verlangte nach einer ebenso ungewöhnlichen Beleuchtung. Die Lichtplaner des österreichischen Bartenbach LichtLabor entwickelten die Außen- und Innenbeleuchtung gemeinsam mit dem süddeutschen Hersteller für Lichtsysteme Durlum. Ziel war es, das Licht wirken zu lassen, ohne die eigentliche Lichtquelle wahrnehmbar zu machen. Um dies erreichen zu können, bedurfte es verschiedener LED-Lösungen, von Lichtlinien und Bodeneinbaustrahlern über Einbauspots bis hin zu diversen Downlights. Die Beleuchtung des Ausstellungsbereichs musste zudem den wechselnden Ausstellungen entsprechend anpassbar sein. Schmale, dezente Downlights mit hochwertigem Edelstahlgehäuse waren die optimale Lösung. Über filigrane Rohre abgependelt, sind sie in jede Richtung schwenkbar und bieten einen flexiblen Lichtfokus. Bei Einbruch der Dunkelheit ergänzen sich die Außen- und Innenbeleuchtung harmonisch und betonen die geometrische Fassadenstruktur. „Das Gebäude wird Landschaft, und die Landschaft selbst bleibt spektakulär und ikonisch“, fassen die Architekten zusammen. Für den respektvollen Umgang mit der Umgebung, die Verwendung lokaler Baumaterialien sowie energieeffizienter Beleuchtung, wurde dem Projekt von der britischen Regierung kürzlich eine herausragende BREEAM-Bewertung für besondere Nachhaltigkeit verliehen.
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