Sonnenwende in Quebec

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Text: Katharina Horstmann
Foto: Maxime Brouillet

Ein Landsitz, der seine Bewohner im Winter mit Sonnenlicht wärmt und ihnen im Sommer Schatten spendet: Das Chalet de la Plage vom kanadischen Architekturbüro La Shed besinnt sich des Charmes lokaler Vorbilder und verkörpert gleichzeitig modernistische Gestaltungsprinzipien.

Die Laurentides in Quebec sind im Sommer wie Winter ein Paradies. Nur wenige Landstriche in der Region sind so grün und die Wälder so endlos undurchdringlich wie die vielfältige Berglandschaft nördlich von Montreal. Hier, auf einer Lichtung am Ufer eines ruhigen Sees, liegt das Chalet de la Plage, ein Landhaus am Strand. Als Wochenenddomizil für ein kinderloses Paar vom Architekturbüro La Shed entworfen, orientiert sich der Bau mit klassischem Satteldach und vertikal gegliederter Fassade an den traditionellen Berghäusern der Gegend, ohne dabei Modernität auszuschließen.

Außen dunkel, innen hell
Besonderes Merkmal des Projekts ist die Fassadenverkleidung aus schwarzem Metall, die im Sommer einen starken Kontrast zum grünen Laub der Bäume und im Winter zum Weiß des Schnees bildet. Sie ist mit diversen Öffnungen versehen, die Teile des hellen und lichten Gebäudeinneren offenbaren, das bis zum Dachstuhl ausgebaut und mit weißen Holzleisten verkleidet wurde. Die Südseite besteht zur Gänze aus einer fast acht Meter hohen Glasfront, die den Blick über die Terrasse auf den See und die umliegende Natur freigibt. Der Straße zugewandt an der Nord-Ostseite hingegen wurde eine Art Box platziert, die, mit großen hellen Sperrholzplatten verkleidet, einen schmalen Korridor zur Eingangstür schafft. Sie trennt den gemeinschaftlichen von den privaten Bereichen des Hauses und beherbergt sowohl eine dem Wohnraum zugewandte Küchenzeile als auch die Garage, das Bad, das Schlaf- und Ankleidezimmer sowie die Treppe zum darüber gelegenen Arbeits- und Gästezimmer.

Natürliche Heizung
Bei der Planung legten die Architekten großen Wert darauf, das Haus in Bezug auf seine Umgebung  möglichst vorteilhaft auszurichten. Aus diesem Grund wurden die Fensteröffnungen so gesetzt, dass der natürliche Lichteinfall optimal als Energiequelle genutzt werden kann. Bemerkenswert ist der Boden aus blankem, geschliffenem Estrich, der als große thermische Masse wirkt, um in der kalten Jahreszeit Wärme zu speichern. Durch die hohe Glaswand der Sonne ausgesetzt, wird die Temperatur gleichmäßig durch in den Boden eingebettete Glykol-Rohre verteilt. Im Sommer schützt der große Dachüberhang der Terrasse den Boden vor der Sonne, die in der warmen Jahreszeit höher steht. Dadurch bleibt der Innenraum schön kühl und den Bewohnern die Nutzung einer Klimaanlage erspart.

Gerade durch das aufmerksame Design und die nachhaltige Konstruktionsweise meistert das an die lokale Bauart angepasste Chalet de la Plage eine perfekte Balance zwischen roh und raffiniert und bietet somit einen komfortablen Rückzugsort, der sich harmonisch in seine Umgebung einfügt.

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