Stadt, Land, Fluss

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Text: Katharina Horstmann

 
Dass Wasser eine nahezu magische Anziehungskraft hat, zum kreativen Spiel verlockt und eines der stärksten und vielfältigsten Ausdrucksmittel der Landschaftsarchitektur ist, weiß kaum ein anderer besser als Thorbjörn Andersson. Der schwedische Architekt hat sich nicht nur einen Namen als Landschaftsplaner und -gestalter gemacht, sondern ist auch Mitbegründer der Fachzeitschrift Utblick Lanskap. Kürzlich fertig gestellt wurde sein Projekt Sandgrund Park in Karlstad. Diese Uferanlage an einem der längsten Flüsse Schwedens bietet eine Reihe von Terrassen, erhöhten Plattformen und Rasenflächen, von denen aus man das Schauspiel des Naturelements in seiner ganzen Vielfalt erleben kann.
 
 
Karlstad liegt im breiten Mündungsdelta des Klaräven an der Nordseite des Binnensees Väner und wird seit jeher durch den Fluss geprägt. Im Herzen der knapp 60.000 Einwohner zählenden Stadt gabelt sich der Fluss und rahmt eine 400 Meter lange Halbinsel, die an einer Seite wie ein Vogelschnabel geformt ist. Der 40.000 Quadratmeter große Sandgrund Park, der von Thorbjörn Andersson zusammen mit dem Büro SWECO in Stockholm entworfen wurde, befindet sich an dieser Spitze. Es handelt sich jedoch nicht um eine Anlage zum Schwimmen, denn dafür sind die Ströme zu stark und das Wasser zu kalt. Vielmehr wollten die Architekten einen Ort schaffen, von dem aus Wasser und Natur beobachtet und genossen werden können – und zwar zu jeder Jahreszeit.
 
Der Ort
 
Die Hauptmerkmale des inzwischen vom Bund Schwedischer Architekten ausgezeichneten Parks sind die Präsenz des Wassers, die landschaftlich dramatische Inselspitze sowie die zentrale Lage unweit der Innenstadt. Diese galt es in der Planung zu betonen. So wird das Element  Wasser durch bequeme hölzerne Gehwegflächen hervorgehoben, von denen in den Klaräven ragende Stege und Molen zum Spazierengehen oder Pausieren einladen.
 
Die Fauna
 
Entlang der neuen Uferwege schufen die Architekten ein hügeliges Terrain mit fünf parallel zueinander ausgerichteten, 100 Meter langen und bis zu sechs Meter hohen Hügelketten. Auf ihnen befinden sich grüne Aussichtspunkte, zwischen ihnen kleine Täler mit unterschiedlichen Bepflanzungen – von Buchenwäldern und Magnolienhaien bis zu Farnkrauttälern – und grüne Wiesen zum Verweilen, die mit niedrigen Granitsteinen umrandet sind und eine Vielzahl an Sitz- und Liegemöglichkeiten bieten.
 
Das Wasser
 
Auf ihre Fertigstellung wartet noch die Inselspitze. Sie soll eine 40 Meter lange hölzerne Aussichtsplattform erhalten, die ihr ein schärferes Profil verleihen und einen noch engeren Kontakt zum Element Wasser fördern soll. Von hier aus – wie schon von den Stegen und Molen – soll noch besser erlebt werden können, wie das Wasser ganz unterschiedliche, auch völlig gegensätzliche Wirkungen erzielen kann: von großer meditativer Ruhe bis hin zu tosender, unbändiger Naturgewalt und Lebensfülle.

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