Tanzender Monolith von Marte.Marte

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Text: Jeanette Kunsmann

Mit den rotleuchtenden Messehallen in Dornbirn haben Bernhard und Stefan Marte im vergangenen Sommer nicht nur in Vorarlberg für Aufsehen gesorgt, nun wird 500 Kilometer östlich in Krems an der Donau bald ein weiterer Neubau der Architektenbrüder eröffnet. Die Landesgalerie Niederösterreich ist eine verdrehte Baufigur im Pailettenkleid, die zum Tanz auffordert.

Architektur ist kein starrer Zustand, Architektur bedeutet Bewegung. Mit der Drehung des Baukörpers für die neue Landesgalerie Niederösterreich reagieren Marte.Marte auf das direkte Umfeld und verbinden so die Kunstmeile Krems mit der Donau. Dass sich Stefan und Bernhard Marte in der Weltkulturerberegion Wachau nicht einfach für einen simplen Betonkubus entschieden haben, gefiel auch dem Preisgereicht des Architekturwettbewerbs – die Juryvorsitzende Elke Delugan-Meissl lobte den Entwurf der Vorarlberger Architektenbrüder 2015 als eine „tänzerische Skulptur“, die den Stadtraum neu choreografiere.

Foto: Loxpix

Doch nicht nur die Drehung verleiht diesem tanzenden Monolithen Dynamik und Spannung, auch die Verjüngung des fünfgeschossigen Neubaus nach oben erzeugt ihre Wirkung. Basiert das Erdgeschoss auf einer Grundfläche von 33 x 33 Metern, misst das Obergschosss nur noch 30 x 30 Meter, wobei sich der Baukörper leicht zur Seite verzieht. Die konkaven Bögen der Fassaden im Erdgeschossbereich erinnern wiederum an die verzerrten Bogeneinschnitte der Blackbox in Dornbirn – und lesen sich wie ein Nachweis für die Verwandtschaft beider Bauten.

Die Architektenbrüder Stefan und Bernhard Marte vor den Messehallen Dornbirn. Foto: Faruk Pinjo

Anders als bei den dunklen Messehallen Dornbirn ließen sich Bernhard und Stefan Marte für die neue Landesgalerie Niederösterreich von schimmernden Hüllen inspirieren. Über 7.000 silbergraue Titan-Zinkschindeln schützen den Sichtbeton. „Das Pailettenkleid wirkt festlich, fragil, umhüllt anmutig die elegant verdrehte Baufigur, verstärkt den bildhauerischen Eindruck der skulpturalen Großform, zieht die Blicke auf sich und reflektiert zugleich respektvoll die Umgebung“, sagt Bernhard Marte. „Für Schutz und Widerstandskraft steht hingegen das Schuppenhemd, das sich massiv und doch feingliedrig um das Gebäude legt. Es behütet die wertvollen Kunstwerke im Inneren. Zudem verweist das schimmernde Schuppenhemd auf die historische Bedeutung des mittelalterlichen Stadtteils Stein.“

Im Mai 2019 wird die Landesgalerie Niederösterreich eröffnet, bereits am ersten Märzwochenende können Besucher aus Krems und Umgebung den dynamischen Monolithen erstmalig von Innen begutachten. Danach wird die Kunstsammlung aus St. Pölten in die neuen Ausstellungsräume einziehen.

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