Tetra Villa

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Text: Anne Meyer-Gatermann, Foto: Pino dell’Aquila

Sardonische Smaragdküste. Die Meeresoberfläche bricht auf, und aus dem Wasser fährt ein weißer Lotus Esprit an den Strand. 007 Roger Moore wirft mit spitzen Fingern einen Fisch aus dem Fenster, neben ihm sitzt Barbara Bach als KGB-Agentin Major Anya Amasova. 

Die legendäre Szene aus dem Bond-Film Der Spion, der mich liebte wurde 1976 und 1977 an der Costa Smeralda auf Sardinien gedreht. Etwa zur gleichen Zeit, nur wenige Kilometer entfernt, bauen die Architekten Ferdinando Fagnola und Gianni Francione drei Villen, die ohne Weiteres ein Drehort für den Film hätten sein können. Jetzt sind diese Villen modernisiert worden. Die Planung hat Fagnola selbst in Zusammenarbeit mit dem PAT. Studio übernommen. Das Studio ist auf nachhaltige Architektur spezialisiert.

Foto: Pino dell’Aquila

Die brutalistischen Bungalows nisten hinter den Büschen. In die sanften Rundungen eines Hügels gesetzt, versinken sie in der Natur, weil ein Teppich aus Gras über sie gewachsen ist. Die Villen sind Bausteine eines Komplexes, der wie ein mikroskopisches Dorf auf Kommunikation ausgerichtet ist: Auf einer Plaza trifft man sich zum Plaudern, in der einen Villa verbirgt sich ein Hammam, während in der anderen Villa die Kinder im Lern- und Spielraum Vokabeln üben oder die Wände bemalen dürfen. Eine Achse und ein Wegesystem verbinden alle Gebäude. Hier sollen Familien mit Freunden Urlaub machen, Platz für Personal ist auch eingeplant. „Die spielerische Funktion eines Hauses am Meer überzeugte mich davon, eine offene Architektur zu entwerfen, die in viele Volumen aufgebrochen ist“, sagt Ferdinando Fagnola. Diese seien als leere Räume gedacht: „ein zentraler offener Raum für viele Nutzungsarten, um den die Funktionsräume und viele kleine Zimmer angeordnet sind – unter freiem Himmel“.  

Die Gebäude haben die Form von ineinander verschachtelten Kuchenstücken – jede Villa beinhaltet eine komplexe Struktur aus privaten Zimmern und Gemeinschaftsräumen. Villa 1 versteht sich als Angelpunkt: Hier sind Elternschlafzimmer, Küche und die zentralen Wohnzonen innen und außen angeordnet. Die Villa 2, „der Schmetterling“, hat Platz für Pool, Spa und Gästezimmer. Dieser Kubatur verordneten die Planer die radikalste Wandlung: In eines der Gebäude haben sie eine Achse geschnitten. Eine blaue Decke und ein hölzerner Weg markieren die zentrale Passage, rechts davon ist alles neu.   Villa 3 dient als „Teleskop“ und ist als Erweiterung von Villa 1 gedacht, mit der sie über eine Treppe und ein Wegesystem verbunden ist. Hier gibt es ein weiteres Ess- und Wohnzimmer, Räume für Gäste und Personal und ein Lern- und Spielzimmer für Kinder, das sich die Auftraggeberin, die Gründerin eines Montessori-Kinderzentrums ist, gewünscht hatte. Auf einem Freiluft-Adventure-Weg können die Kleinen außerdem ihre motorischen Fähigkeiten trainieren.

Foto: Pino dell’Aquila

Die Gebäudehüllen aus den Siebzigerjahren sind erhalten geblieben. Als Kontrast zum brutalistischen Beton und Stahl arbeiten die Architekten mit mediterranen Farben: Eine leuchtend pinke Wand erinnert an die Blüten der Kletterpflanze Bougainvillea. Das Schlafzimmer in der ersten Villa strahlt azurblau, den Pool flankiert eine Wand in Aubergine, Mosaike in Mandarine, Limette, Tomate und Meerblau warten in  den Badezimmern. 

Nachhaltigkeit spielte bei dem Umbau eine zentrale Rolle: Um den Wasserverbrauch zu reduzieren, haben die Architekten zum Beispiel die ehemals großen Rasenflächen auf ein Minimum reduziert und stattdessen Pflanzen gewählt, die resistent gegen Hitze und Trockenheit sind. In Der Spion, der mich liebte zerstört James Bond die Unterwasserstation des Meeresbiologen und Schurken Stromberg. Unter der Grasnarbe an der Costa Smeralda herrscht ein anderer Geist: Hier hat man ein Architekturschmuckstück erhalten und für die Zukunft ausgerüstet.

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