Tetris im Tal: Ein Wohnhaus in Portugal

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Text: Tim Berge, Foto: Hugo Carvalho Araújo

Ein gigantischer Holzriegel schwebt über einem breiten Betonvolumen und scheint in ihm die perfekte Fassung gefunden zu haben. Dieses spektakuläre Spiel der Elemente, das in einem ruhigen Tal im Norden Portugals stattfindet, hat ein noch weit bemerkenswerteres Gegenüber: die Natur. Zusammen mit ihr bildet die Architektur ein außergewöhnliches Duett aus Einheit und Gegensätzen.

Das Gerês Haus steht am Rande des idyllischen Caniçada-Tales, nicht weit von der Großstadt Braga entfernt. Seinen Bewohnern soll es als Rückzugsort dienen – im Einklang mit der Natur.

Holz über Beton
Für den Neubau des portugiesischen Architekturbüros Carvalho Araújo musste zuerst ein bestehendes Haus weichen: Kleine Erdrutsche bedrohten die Sicherheit der Konstruktion. Der Nachfolger steht nun an etwas niedrigerer Stelle des steilen Hangs und macht es sich in der Landschaft gemütlich. Wie eine kubische Felsformation sitzt der Unterteil des Baus als breites Betonvolumen auf einem Plateau und bildet den Rahmen für eine über sich schwebende Holzkiste: Architektur als überdimensionales Tetris-Spiel. Das transparente Bindeglied zwischen den beiden Elementen bildet eine fein gegliederte Glasfassade, die zwischen Außen- und Innenraum vermittelt. Der Bau ordnet sich in seiner Position und Ausrichtung vollkommen dem Ausblick in die Natur unter – und scheint sich in ihr auflösen zu wollen. Nichts soll dem Panorama im Wege stehen, weshalb auch der Zugang von oben erfolgt. 

Wohnen mit Ausblick
So verschlossen das Wohnhaus von außen wirkt – so offen ist der Eindruck, wenn man es betritt. Der Wohnraum, der sich zum Tal hin orientiert, liegt leicht im Erdreich versenkt und bietet einen Panoramablick auf das umgebende Tal und einen schmalen Bach. Im Inneren wiederholt sich der Materialkanon der äußeren Hülle: Beton und Holz bilden den Rahmen für die ansonsten fast wandlosen Räume. Das Zentrum des Neubaus bildet ein langgestrecktes, zweigeschossiges Wohn- und Arbeitszimmer, um das sich die restlichen Aufenthaltsbereiche gruppieren. Auf der Seite des Hangs befinden sich Bad, Küche und eine außenliegende Treppe, die das Unter- mit dem Obergeschoss verbindet. In die Räume der zweiten Etage gelangt man über eine Brücke, die zu einem zweiten Wohnzimmer und zwei Schlafräumen führt.

Höhepunkt Swimmingpool
Das Innere geht über die Betonplattform fast nahtlos in den Außenbereich über. Hier befinden sich nicht nur ein in den Sockel integrierter Whirlpool und eine Feuerstelle – von der Terrasse aus führt auch ein Weg, der aus unterschiedlich großen Steinplatten besteht, den Hang hinab, entlang des schmalen Baches, der sich über das Grundstück schlängelt. Dieser fließt in einen kleinen Teich, dem die Architekten einen natürlichen Poolbereich hinzufügten. Von dem hölzernen Podest aus, das sich um das Wasserbecken legt, fällt der Blick zurück zum höhergelegenen Haus, das sich als reduziertes Pixelbild seiner direkten Umgebung auszugeben scheint: Der Höhepunkt eines spannenden Wechselspiels zwischen Architektur und Natur. 

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