Tradition meets Modern: Villa in Chievo

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Text: Sandra Piske
Foto: Simone Bossi

Vor den Toren von Verona, in Chievo, haben die Mailänder Architekten studio wok eine alte Scheune und den dazugehörigen Hof umgestaltet. Das junge Team um Marcello Bondavalli, Nicola Brenna und Carlo Alberto Tagliabue stellt eindrucksvoll seine Kompetenz in der Neuinterpretation historischer Gebäude unter Beweis.

Schon ein kurzer Blick aus der Entfernung genügt: Das Anwesen in der Nähe des Flusses Adige ist keine hypermoderne Interpretation eines wie immer gearteten Landhausstils. Vielmehr stand die Neugestaltung von Scheune und Hof ganz im Zeichen eines geschichtlichen Dialogs zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Und so verdankt sich die einladend-freundliche Atmosphäre des Landsitzes einer ergiebigen Auseinandersetzung mit dem räumlichen und materiellen Erbe des alten Gehöfts.

Ein geschichtlicher Dialog
Zu diesem Erbe gehört ein großer Magnolienbaum, der bei Sonnenuntergang seinen langen Schatten auf die Steinfassade des Gebäudes wirft und so die Einheit von Haus und Garten aufzeigt. Als unbestreitbarer Mittelpunkt des neu angelegten Gartens ist er von allen Räumen des Hauses aus sichtbar und repräsentiert den alten Bestand und die architektonische Kultur des Anwesens gleichermaßen. Einerseits setzt er sich durch die schwarze Einfassung des ihn umgebenden Blumenbeets auffällig von der weißen Steinumrandung des Pools ab, andererseits stellt gerade diese viereckige Einfassung eine geometrische Verbindung zur ebenfalls rechteckigen Form des Pools her.

Traditionelle Materialien
Eine weitere Verbindung knüpfen die Architekten durch die von ihnen verwendeten Materialien. Traditionelle Werkstoffe bilden den Brückenschlag zur Architekturgeschichte der Region. Nach dem geradezu dekonstruktiven Abtragen des Putzes wurde die für die ländliche Architektur in der Umgebung von Verona typische Fassade, die größtenteils aus Flusskieselsteinen besteht, rekonstruiert. Daneben wurde auf das hier traditionell verwendete Lärchenholz zurückgegriffen, das bei den Fensterrahmen und bei der Gestaltung des großen Bogens, der die Vorderseite des Gebäudes zum Garten hin öffnet, Verwendung fand.

Birkenholz und Vicenza-Steine
Das Haus verfügt über drei Etagen, wovon insbesondere der großzügige Wohnbereich, der sich weiträumig über alle drei Stockwerke erstreckt, profitiert. Hier empfängt ein herrlicher Boden aus Vicenza-Steinen die Bewohner und ihre Gäste. Zudem zeichnet den Bereich eine Bibliothek mit einem gemauerten Kamin aus. Die oberen Etagen beherbergen die Schlafzimmer. Im gesamten Innenraum sind Verkleidungen aus Birkenholz angebracht, die nicht nur eine gestaltende, sondern auch eine strukturierende Funktion haben, indem sie die verschiedenen Bereiche des Hauses klar definieren.

Mit ihrem projektbezogenen Leitmotiv eines geschichtlichen Dialogs ist den Architekten von studio wok eine in jeder Beziehung überzeugende Revitalisierung des alten Anwesens gelungen. Entstanden ist ein moderner Landsitz, der gleichzeitig die baulichen Traditionen der Provincia di Verona bewahrt.

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