Transparenter Inkubator

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Text: Tanja Pabelick
Foto: Yong Joon Choi

Copy and Paste kann als Arbeitswerkzeug die Prozesse verkürzen – zur Gestaltung einer guten Büroumgebung ist es als Strategie eher ungeeignet. Zumindest wenn es nach den Gestaltern des koreanischen Studios Archi@mosphere geht. Ihren Entwurf für kooperative Arbeitsräume in Seoul gestalteten sie bewusst ohne Referenzen zu etablierten Typologien, aber mit Blick auf die eigene Kultur.

Das neue Coworking-Büro liegt inmitten des boomenden Geschäftsviertels Seongsu-Dong, einem der 25 Stadtteile, die gemeinsam die Stadt Seoul bilden. Trotz der zentralen urbanen Lage in der Millionenmetropole beschreiben die Macher ihre Räumlichkeiten als Oase: Nicht weil hier Pflanzen eine Rolle spielen würden, sondern weil das Licht zum Protagonisten wird. Grundlage der hellen Gestaltung sind die Materialien, mit denen transluzente und transparente Strukturen in die zwei Etagen unter dem Dach eingezogen werden. Die Räume wurden erst auf das tragende Skelett aus Beton und Stahl reduziert und die Zonierungen und funktionalen Flächen dann mit Hilfe von Edelstahl und Glas sowie klaren Wellplatten neu eingezogen. Sie dienen außerdem dem Beleuchtungskonzept mit seinen Neonröhren als Verblendungen und unterstützen die linear und orthogonal ausgerichtete Ästhetik der Räume.

Durchbruch zum Dachgarten
Tatsächlich brauchen die Räume des station NEO getauften Gemeinschaftsbüros während des Tages kaum mehr als das natürliche Licht. Die Coworking-Räume liegen in der siebten und achten Etage eines Geschäftshauses und damit direkt unter dem Dach. Diesen Vorteil wollten die Architekten des ebenfalls aus Seoul kommenden Interieur-Studios von Archi@mosphere gezielt nutzen. Denn eigentlich bietet das Haus mit seiner niedrigen Deckenhöhe, dunklen Gängen und seiner schlechten Energiebilanz wenig Potential und Atmosphäre – hier oben konnten sie allerdings mit wenigen gestalterischen Interventionen schnell neue Qualitäten etablieren, indem der Grundriss aufgebrochen wurde. Der räumliche Kern öffnet sich jetzt dank eines Durchbruches wie eine eingeschobene senkrechte Röhre zum Himmel – und ist als zentraler Gemeinschaftsbereich der Zuweg zu abgeschlossenen und privaten Zonen.

Urbane Oase
Auf den 660 Quadratmetern der Duplexstruktur finden die Nutzer Großraumstrukturen, Rückzugsräume, Konferenzzimmer und vor allem Anschluss. Die soziale Interaktion und professionelle Vernetzung ist Teil des Konzeptes, das sich selbst als synergetischer Inkubator für Tech-Start-Ups beschreibt. Die eingeschobenen und mit architektonischer Leichtigkeit formulierten Geometrien sorgen nicht nur für fließende Funktionen, sondern lassen auch die Luft optimal zirkulieren. Bei gutem Wetter kann die Arbeitszone außerdem auf das Dach ausgeweitet werden. Der Zugang erfolgt über eine an Stahlseilen aufgehängte und an einem Stahlträger fixierte Treppe. Auf weiteren 330 Quadratmetern haben die Gestalter eine weiße Outdoor-Oase geschaffen, die die als Blöcke herausragenden Lichtschächte als Raumgrenzen und Mobitekturen nutzt. Hinter schmalen Grenzen stehen Bänke, die niedrigeren Plattformen werden zu temporären Sitzen oder Tischen.

Hallo Hallyu
Mit der konsequenten Öffnung und der auf Transparenzen angelegten Neuzonierung des Büros haben die Architekten von Archi@mosphere Räume geschaffen, die mit viel Weiß und kühlen Materialien eine ätherische Leichtigkeit schaffen. Ein für Korea typischer Minimalismus, der als Teil des Hallyu – der koreanischen Welle – mittlerweile weltweit auf Gegenliebe trifft. Und deshalb auch in Seoul als seinem Epizentrum unbedingt gut aufgehoben ist.

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