Traumhaus in Scheiben: Neubau auf Skiathos

23
Text: Tim Berge, Foto: Yiorgis Yerolymbos

Griechische Insel, Meerblick und ein Grundstück am Hang: Für einen Neubau auf Skiathos standen alle wesentlichen Komponenten, die für ein Traumhaus benötigt werden, zur Verfügung. Doch was die junge Architektin  Lydia  Xynogala aus ihnen gemacht hat, ist weit mehr als alle Elemente in einer schönen Hülle zusammenzufügen. Im Gegenteil, sie nimmt die Hülle auseinander und schafft so ein atemberaubendes Raumexperiment aus geschichteten Wohnbereichen.  

Es scheint sich tarnen zu wollen. Der Putz der Außenwände dieses Neubaus ist mit der Erde angereichert, die der Landschaft ihren rötlich braunen Farbton verleiht. Damit gibt die in New York lebende Architektin Lydia Xynogala auch schon das wesentliche Thema vor, das sich durch ihren Entwurf für das Wohnhaus zieht: Addition! Ob Material oder Baukörper, kein Element bleibt bei diesem Projekt in seiner Urform erhalten. Alles wird durchmischt. Und so ist auch die Kubatur des Hauses keine gewöhnliche. Das Gebäude besteht aus sich zum Meer hin aufweitenden, schmalen Wohnscheiben, die Xynogala aneinanderreihte. Wie bei einer unregelmäßig angeordneten Treppe folgen die schlanken Volumen der abfallenden Geländetypologie und bilden ihr architektonisches Abbild.

Inszenierte Trennlinie 
Die Schichtung der Raumvolumen hat aber noch einen anderen Hintergrund: Die trennenden Stützmauern sind in dem Gebiet, das oft von Erdbeben heimgesucht wird, ein wichtiges Element, dass zur Absicherung der Gebäude beiträgt. Außerdem bieten sie eine thermische Masse, die die Wärmekapazität des Hauses deutlich erhöht. Die Architektin inszeniert die Trennlinie zwischen den Wandebenen durch verspringende Bodenhöhen sowie eine Schwelle aus grauem Marmor. Weiße Schiebetüren vervollständigen den Eindruck von Passivität und verschwinden bei Bedarf vollständig aus dem Sichtfeld. Das Haus wird von der obersten Ebene aus erschlossen, von wo aus sich eine Treppe durch das gesamte Gebäude schneidet und den Ausblick auf das nahe Meer preisgibt. Die Gemeinschaftsräume des Hauses platziert Xynogala im Zentrum des Gebäudes, die Schlaf- und Badezimmer bilden die Außenflanken. Jedes Zimmer im Neubau verfügt über eine eigene, kleine Terrasse, die durch die ins Freie laufenden Stützwände vor Einblicken geschützt sind.

Pläne und Entwürfe
3

Eigenwilliges Wohnhaus 
Das Thema der „Addition“ findet sich nicht nur in der Materialität der Fassade, sondern auch im Inneren und auf dem Dach wieder. Der sich durch das gesamte Haus ziehende Terrazzoboden wurde von der Architektin mit einem grünlich blauen Pigment angereichert, dass der Oberfläche eine trendige Note verleiht und Bezug nimmt auf das Blau des Meeres und Himmels. Und auch der Dachbelag besteht aus einer Materialmischung: Kies und Pflanzen bilden den oberen Abschluss dieses eigenwilligen Wohnhauses, das mit gängigen Bauformen bricht, in dem es sie auseinandernimmt – um sie dann auf ungewohnte Weise wieder zusammenzufügen.

Weitere Artikel 13 - 25 von 51 Maximal Minimal: <br />
Gartenhaus in Berlin Wunderbares Wohnen in Wien Ins Wasser gesetzt: Wenn ein Künstler baut Vulkan im Fenster: Einfamilienhaus in Chile Neun Enkel und keine Treppen: <br />
Wohnhaus in Bratislava The Great Scandinavian Dream Hoch herab: Ferienhaus in Andalusien Brutalismus lebt: <br />
Wohnturm in Argentinien Hängende Wände: Wohnungsumbau in Barcelona Bootskabine ohne Meerblick Wellblech mit Schwung: King Bills Kurven A Labour of Love: Brian Housdens brutalistischer Wohntraum

Portraits, Hintergrundberichte und Reportagen zum Zeitgeschehen im Designbereich.

Campana