Très ordinaire: Passiv-Fertighaus im Burgund

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Text: Markus Hieke, Foto: Julien Renault

Große Fenster haben Wirkung: Sie sorgen nicht nur für viel Tageslicht im Innenraum, sie sind auch vorteilhaft für die natürliche Beheizung eines Gebäudes. Wie bei diesem Passiv-Fertighaus, das von Atelier Ordinaire im französischen Beaune geplant und umgesetzt wurde. Sein Hauptbestandteil: Holz.

Der Natur so viel wie möglich abgewinnen, ohne sie dabei zu beeinträchtigen, das ist die Idee hinter den Passivhäusern von Atelier Ordinaire. Das Straßburger Architektur- und Designbüro von Thomas Walter hat sich dieser Bauweise verschrieben. Maison en bois, Haus aus Holz also heißen ihre Projekte, weil sie aus dem natürlichen Rohstoff vorfabriziert und konstruiert werden. Eins der bisherigen Fertighäuser entstand in Beaune, einer Kleinstadt im Burgund. Wie alle Satteldachhäuser des Büros basiert der Bau auf einem Konstruktionsprinzip, das sich einfach montieren und vervielfältigen lässt und dabei trotzdem die Möglichkeit beinhaltet, auf individuelle Kundenwünsche einzugehen.

Handgemachte, lasierte Fliesen im Badezimmer

Westlich des Ortes erheben sich die Weinberge, dahinter beginnt der Wald. Einer Landschaft, die so malerisch ist, möchte man eigentlich nichts entgegensetzen. Vielmehr möchte man sie bewahren und durch energetische Eigenschaften den eigenen CO2-Fußabdruck so klein wie möglich halten. Darum besteht dieses zweigeschossige Wohnhaus auf einer Grundfläche von 145 Quadratmetern außen wie innen so gut wie ausschließlich aus Holz, das von sich aus schon warm und behaglich wirkt und ein Verputzen, Spachteln, Malern überflüssig macht. Nur der Fußboden im Erdgeschoss des Hauses besteht aus einem Gussestrich.



Schwarzgrau: Die Fassade ist witterungsbeständig und absorbiert so viel wie möglich warmes Sonnenlicht.

Die Positionierung der Fenster haben die Architekten akribisch vorberechnet, sodass der Sonnenlauf optimal ausgenutzt wird. Die Fassade des Hauses ist nicht nur schwarzgrau, um so viel wie möglich Sonneneinstrahlung zu absorbieren, die spezielle Holzfarbe garantiert auch eine langjährige Witterungsbeständigkeit. Neben der natürlichen Licht- und Wärmequelle dient ein zentral platzierter Kamin im Erdgeschoss in den Wintermonaten zum Beheizen des Hauses. Dabei führt das Kaminrohr offenliegend durch das Obergeschoss, um dort auch die Restwärme zu nutzen. Gute Isolation sorgt dafür, dass keine Wärme verloren geht.



Eine Einheit mit der Konstruktion bildet auch die Möblierung aller Wohnräume: Küche, Ess- und Wohnbereich nehmen nahezu vollständig die untere Etage ein und sind mit Küchenzeile, Insel, Einbauschränken und Sitzbänken nach Entwürfen von Thomas Walter eingerichtet. Kühler Gegenspieler zum Kiefernholz ist eine Arbeitsplatte aus weißem Marmor. Im Obergeschoss befinden sich ein großes Schlafzimmer mit anschließender Ankleide und Wannenbad, zwei weitere Schlafzimmer, ein kleines Bad mit Dusche sowie ein Arbeitszimmer.

Als Partner für die Möblierung haben die Bauherren und Atelier Ordinaire einen deutschen Hersteller gewählt, der mit ihnen eine Philosophie teilt – den Glauben daran, gute Gestaltung, Nachhaltigkeit und Handwerk umfassend miteinander vereinbaren zu können: Von Stattmann Neue Moebel aus Nordrhein-Westfalen stammen Regale, Bänke, Tische, Hocker und Stühle. Dem Gebäude liefert das eine Unbeschwertheit, für die die bisherigen Projekte von Thomas Walter bereits bekannt sind.

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