Unterm Rundbogen: Büro in Shanghai

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Text: Judith Jenner
Foto: Xiaodan Song / Ripei Qiu

Mit Multifunktionslösungen gelang es dem Architekturbüro Monoarchi, die 90 Quadratmeter ihres Studios in einem historischen Gebäude in Shanghai optimal zu nutzen.

Shanghai, das klingt nach Wolkenkratzern, nach Glas und Beton. Doch trotz der modernen Innenstadt gibt es sie noch, die friedlichen Altstadtviertel mit ihren historischen Gebäuden. Eine solche Umgebung haben sich Xiaochao Song, Keming Wang und Nan Zhou vom Architekturbüros Monoarchi als Adresse für ihr neues Studio ausgesucht. Im ersten Stock einer dreigeschossigen Villa renovierten sie eine 90 Quadratmeter große Fläche nach ihren Vorstellungen. „Aus Respekt für das alte Haus, entschieden wir uns dafür, nicht in die ursprüngliche Struktur des Baus einzugreifen. Der historische Charme sollte so weit wie möglich erhalten bleiben“, sagt Xiaochao Song, der in Rotterdam Architektur studierte.

Vom Wohnhaus zum Büro
Ursprünglich wurde das gesamte Haus von einer Familie genutzt. So war der erste Schritt, den aufs Wohnen ausgerichteten Grundriss sanft zu verändern, um Büroplätze für acht Personen und Raum für kleinere Ausstellungen zu schaffen. Aus dem Badezimmer wurden ein Modellbau-, Zeichen- und Materialraum, der mit der Küche verbunden ist. Da der Modellbautresen die gleiche Höhe wie die Kücheninsel hat, kann dieses Element flexibel genutzt werden.

Unterteilung durch Rundbögen
Um die Räume zu unterteilen, bedienten sich die Architekten eines Stilmittels aus der Zeit der französischen Konzession Shanghais: Rundbögen unterschiedlichen Materials und Größe definieren die Nutzungsbereiche. Ein großer Bogen bildet den Eingang zum Büroraum und setzt sich als Stahlkonstruktion über den Arbeitsplätzen fort, kleinere leiten in den Flur zum Besprechungsraum über. Neben ästhetischen haben die Bögen auch praktische Aspekte: Sie schützen die ursprüngliche Struktur des Hauses und schaffen zusätzlichen Stauraum, denn in die Bögen sind Regale integriert. Der Stahl macht sie darüber hinaus zu Ausstellungswänden, an denen die Architekten mit Hilfe von Magneten Bilder und Pläne befestigen können.

Spiel mit Materialien
Der Eingangsbereich und die eingezogenen Wände sind aus Beton, der nicht nur ästhetisch den Geschmack der Architekten trifft, sondern auch Geräusche absorbiert. Von dem geschickten Umgang mit Materialien profitieren auch die Nachbarn: Der kleine Garten im Hof war vor dem Einzug der Architekten weitgehend ungenutzt. Mit Hilfe eines schwarzen Metallgitters schufen sie eine Terrasse und einen Treffpunkt für die Hausbewohner.

Mit ihrem Bekenntnis zur historischen Bausubstanz zeigt das Büro Monoarchi Wege auf, wie sie bewahrt und modern genutzt werden kann. Zugleich gelingt es ihm, unterschiedliche Materialien auf einem kleinen Raum physisch erfahrbar zu machen. Damit haben die Architekten mehr als nur ein neues Büro geschaffen, sondern zugleich auch ein Experimentierfeld für ihre Designphilosophie.

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