Verspielt recycelt    

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Text: Katharina Horstmann

                          
Türkisfarbenes Meer, scheinbar endlose weiße Strände und dazu unzählige archäologische Stätten der Maya: Nirgendwo anders ist Mexiko so vielfältig wie auf der Halbinsel Yucatán. Weltklasseressorts in Canc&uactue;n gibt es ebenso wie romantische Badeorte auf den kleinen, vorgelagerten Inseln wie Isla Mujeres und Cozumel oder auch an der Küste selbst wie in der ehemaligen Fischerstadt Playa del Carmen. Letztere ist Sitz des Hotels Básico, das vom Büro Central de Arquitectura in Zusammenarbeit mit dem Innenarchitekten Héctor Galván gestaltet wurde. Es umfasst nur fünfzehn Zimmer und ist damit ein Gegenpol zu den großen Hotelketten der Gegend: Hier wechseln sich traditionelle Gestaltungselemente mit recycelten, vor Ort gefundenen Materialien ab – von der klassischen mexikanischen Cantina über aus Kautschuk bestehende, alte Autoreifen bis zu wiederverwendeten Wassertanks aus der Erdölindustrie.
 
 
Für das Gebäude ließen sich José Sánchez und Moisés Ison vom Büro Central de Arquitectura von den für Mexiko charakteristischen Stadthäusern inspirieren, in denen sich einzelne Bauteile um einen Patio herum gruppieren. Sie gestalteten einen sandfarbenen Betonbau, in dem der Innenhof das Zentrum bildet und in dem sich die offenen und privaten Bereiche gekonnt abwechseln. Auch Héctor Galván vom Studio Omelette wählte für die Gestaltung des Interieurs lokale Referenzen: Im Gebäudeinneren erinnern eine Vielzahl an Pflanzen, farbenfrohen Details und Texturen an die volkstümliche Kultur des Landes. Zudem wurde die Mehrzahl aller Gestaltungselemente aus recycelten industriellen Altwaren hergestellt wie die wiederverwendeten Sanitärrohre, alte Hölzer, Harze, Kautschuk oder Latex.
 
Lokale Produkte
 
Die öffentlichen Bereiche im Erdgeschoss des Hotels fließen nahezu mit den Außenräumen ineinander; Türen und Fenster existieren nicht. Der Gast gelangt vom Eingangsportal in eine mit schwarzem Latex ausgelegte längliche Lobby, die an ein offenes Straßencafé erinnert. Die Wände sind aus sandfarbenem Beton gefertigt und werden  teilweise von roten Wandverkleidungen unterbrochen. An der rechten Seite steht ein langer Verkaufstresen, an dem Strandutensilien sowie Erfrischungen angeboten werden und der zudem als Rezeption dient. Ihm gegenüber sind kleine rechteckige Tische – ebenfalls rot – positioniert; um sie herum stehen weiß lackierte Holzstühle. Ein Lastenaufzug sowie ein schmales Treppenhaus führen am Ende des Raums in die obere Etage.
 
Patio als Mittelpunkt
 
Mittelpunkt ist der große, für Mexiko typische Patio, der von üppigen Grünpflanzen dominiert wird. Von ihm geht einerseits das Restaurant ab, das – ähnlich der Lobby – offen gehalten ist und somit wie eine überdachte Terrasse wirkt. Hier kann der Gast im Schatten ausgedehnte Mittagessen genießen. Das Restaurant ist ebenfalls unaufdringlich und einfach eingerichtet. Héctor Galván wählte für den Fußboden – und als Gegenstück zu dem das Gebäude dominierenden Beton – rote und sandfarbene Fliesen sowie schlichte, weiß lackierte Holzmöbel. Auf der anderen Seite des Innenhofs, dem Restaurant gegenüber, befindet sich ein Teil der insgesamt fünfzehn Gästezimmer; weitere sind auf die zweite Etage verteilt.
 
Bett als Schatzkiste
 
Die Gästezimmer sind ebenfalls primär in weiß- und beigefarbigen Tonabstufungen gehalten und auch sie sind auf das Wesentliche reduziert: Helle Fliesen sowie weiße Betonwände und Möbel dominieren die Räume. Mittelpunkt bildet ein scheinbar schwebendes Bett vor einer großen Fensterfront. Unter diesem tut sich eine Art Schatzkiste auf, denn wie bei „Hempels unterm Sofa“ gibt es hier jede Menge Platz für Gerätschaften: signierte Fußbälle, mit Zeitschriften gefüllte Schubladen, ein Safe für Wertsachen, Schwimmreifen, ein kostenloser Pass für den Beach Club und vieles mehr.
 
Sanitärrohre mit Multifunktion
 
Dem Bett gegenüber befindet sich der offene Badbereich; nur die Toilette liegt hinter verschlossenen Türen. An der Wand hängt ein überdimensionaler Spiegel, der das Waschbecken einrahmt. Neben ihm steht eine großzügige rechteckige Badewanne, die freistehend ist und auch als Dusche dient. Die Sanitärrohre sind offen gelegt und setzen dank ihrer grafischen Anordnung nicht nur hübsche Akzente zu dem ansonsten schlicht eingerichteten Zimmer, sondern sind auch äußerst funktional: Sie dienen als Handtuchhalterungen.
 
Erdöltanks zur Abkühlung

 
Die größte Attraktion des Básico – wie sollte es auch anders sein – ist die Sonnenterrasse, die eine Bar und einen Poolbereich umfasst. Auch hier wird das Gestaltungskonzept des gesamten Hotels durchgehalten: Die Wände sind aus Beton gefertigt, die Böden eine Mischung aus sandfarbenen und roten Fliesen. Weiße Möbel – Liegesofas, Hängematten sowie Sessel und Stühle – sind über die Terrasse verteilt, an einem türkisgrünen Bartresen werden Cocktails zur Abkühlung zubereitet. Die größere Abkühlung jedoch versprechen die beiden großen orangeroten Wassertanks. Hier kann der Gast unter freiem Himmel baden und dabei den Blick auf die Riviera Maya genießen.
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