Vertikales Labyrinth

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Text: Katharina Horstmann
Foto: Ralph Feiner

 
Seine Bedeutung verdankt Samedan seiner Lage: Das historische Städtchen liegt im Herzen des Oberengadins und ist als Standort eines kleinen, internationalen Flughafens – der nächstgelegene von St. Moritz – beliebter Ausgangspunkt für den anspruchsvollen Wintersportler. Die neueste Attraktion ist allerdings das erste vertikale Mineralbad der Schweiz, das Mineralbad & Spa Samedan. Es wurde von den Baseler Architekten Miller & Maranta entworfen und beeindruckt durch seine labyrinthähnlichen Nassbereiche. Die Innenräume sind mit großflächigen, farbigen Fliesen verkleidet, die sowohl dekorativen als auch therapeutischen Zwecken dienen und eine originelle, gar mythische Anmutung besitzen.


Wenn es um das Wohlbefinden geht, bietet die Schweiz einen ganz natürlichen Vorzug: Dank ihrer Seen und mit Schnee bedeckten Berggipfel existiert hier kein Wassermangel. Und dann und wann erschließt sich das nasse Element auch auf ungewöhnlichere Art und Weise, wie im Falle des Mineralbades in Samedan: Gebadet wird hier in Wasser, das aus einer unterirdischen Quelle kommt, die erst durch Zufall bei der Fundamentlegung des Neubaus entdeckt und dank ihres hohen Schwefelgehalts als Heilquelle deklariert worden ist.

Monochromatische Aufteilung

Das Mineralbad befindet sich in einem viergeschossigen Gebäude, das mitten im historischen Ortskern liegt und unmittelbar an die denkmalgeschützte Barockkirche angrenzt. Es ist dank seines labyrinthischen Grundrisses von unterschiedlichen Ein-, Aus- und Durchblicken geprägt. Die eigentlichen Baderäume sind zueinander in der Höhe versetzt und kammerartig angeordnet. Sie sind vom Becken bis zur Decke mit verschiedenfarbigen, glasierten Fliesen verkleidet, wofür sich das Architektenehepaar Quintus Miller und Paola Maranta von den Kacheln eines Istanbuler Hammams inspirieren ließ. Um einer möglicherweise klaustrophobischen Atmosphäre entgegenzuwirken, setzten sie Oberlichter sowie großzügige Fenster, die die Fliesenmuster aufbrechen, und holten das Tageslicht in den Innenraum.

Verschachtelte Räume

Der Besuch des in sieben Etappen gestaffelten Mineralsbades beginnt im Untergeschoss. Hier befinden sich die mit Schweizer Rotholz ausgestatteten Umkleideräume. Nach dem Wiederauftauchen aus der unteren Etage ist die erste Station das großzügige, 35 Grad Celsius warme Bergbad im Erdgeschoss. Es befindet sich in einem lichtdurchfluteten, verschachtelten Raum mit Nischen, der eine Höhe von bis zu acht Metern aufweist und mit Fliesen in gelben Farbtönen verkleidet ist. Die nächste Station ist das rot geflieste Sprudelbad in der ersten Etage. Hier kann sich der Besucher vom ebenfalls 35 Grad Celsius warmen Wasser massieren lassen, bevor er seinen Spa-Aufenthalt im 40 Grad Celsius warmen Heißbad und im darauf folgenden Ruhebereich fortsetzt. Das Heilbad ist in einen schmalen Raum eingelassen und in gelben Farbtönen gefliest; der Ruheraum hingegen ist in dunkelgrünen Tönen gehalten, die zur Entspannung beitragen. Weiter geht es in die beiden rot gefliesten Dampfbäder für die Reinigungsrituale. Sie dienen der Hautreinigung als auch dem Entschlacken und Entgiften.
 
Alpine Akzente
 
Den krönenden Abschluss eines Besuches im Mineralbad & Spa Samedan bildet in der dritten Etage das Dachbad unter freiem Himmel. Es verspricht ein wohltuendes Badevergnügen an der frischen Luft mit einem unbeschreiblichen Ausblick auf die umliegende Bergwelt und den mächtigen Turm der angrenzenden Kirche. Beim Hinuntersteigen zu den Umkleideräumen gibt es einen letzten Halt in der zweiten Etage. In der Lärchenkammer als auch in der Arvenschatulle, zwei rustikale Räume, die komplett mit Holz verkleidet und möbliert sind, kann sich der Gast zum Abschluss mit einer Tasse Tee oder einem Glas Mineralwasser zurücklehnen, bevor er in den Alltag zurückkehrt oder sich für die Skipiste bereit macht.

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