Vollkommen unvollendet

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Text: Katharina Horstmann
Foto: Milena Villalba

Zwanzig Jahre ruhte die Ruine des Palau-Castell im valencianischen Betxí hinter verschlossenen Toren. Bis ihr Kreuzgang vom Architekturbüro El Fabricante de Espheras renoviert und zu einem öffentlichen Ort transformiert wurde. Ein bewusst eingesetztes Gestaltungselement ist das Non-Finito, was sich besonders in der Wahl der Baumaterialien zeigt – etwa Fliesen aus regionaler Erde.

In der Renaissancezeit war das Palau-Castell de Betxí eine von einem Graben gesäumte Burg. Heute lässt sich die Festung von außen kaum noch erkennen. Sie ist eingefasst von Betonbauten aus den siebziger Jahren und liegt im Zentrum des zum kleinen Städtchen herangewachsenen Ortes nördlich Valencias. Der heute noch bestehende Teil des Bauwerks lag lange versteckt und vergessen hinter einem verfallenen Holzportal, bis er im Zuge eines vom Architekturbüro El Fabricante de Espheras gezeichneten Masterplans zu neuem Leben erweckt wurde.

Natürliche Aura des Ortes
Die Öffnung und Revitalisierung des Kreuzgangs ist die erste von acht Phasen des Masterplans, der vorsieht, die Burg aus dem 16. Jahrhundert als kulturellen öffentlichen Raum zu wiederzugewinnen. Ein bewusst eingesetztes gestalterisches Element ist das „Non-Finito“ – das Unvollendete. So gingen die Architekten behutsam bei der Wahl der Baumaterialien des Burghofs vor und ließen selbst große Eingriffe die natürliche Aura des Ortes wiedergeben.

Spiegelungen und wiederentdeckte Elemente
Um den Eindruck eines kompletten Innenhofes zu erzeugen, wurde der durch einen angrenzenden Neubau verloren gegangene Kreuzgang mithilfe eines großen Spiegels und einer Verkleidung aus Holzlatten visuell vervollständigt. Für den Fußboden wählten die Architekten traditionelle Terrakottafliesen der valencianischen Manufaktur Vicente Camp, die aus der Erde der umliegenden Berge hergestellt werden. Sie wurden, auf ein vor Ort entdecktes Originalmuster zurückgreifend, auf zwei unterschiedliche Weisen als Fischgrätenmuster verlegt: im offenen Bereich vertikal tief versenkt, in den überdachten Gängen plan verlegt. Somit haben die Architekten mit einfachen Mitteln und traditionellen Materialien gekonnt einen ersten Schritt zu einem Dokument vergangener Zeit geschaffen. Die Fortsetzung befindet sich in der zweiten Entwurfsphase: der Renovierung des Gewölbes.

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