Vor grüner Kulisse: Ferienhaus in Vorarlberg

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Text: Tim Berge, Foto: Gustav Willeit

Dieses Haus ist der Vorarlberger Landschaft gewidmet: Form, Materialität und Ausblick orientieren sich an den lokalen Bautraditionen und inszenieren gekonnt ihr natürliches Umfeld. Seinen temporären Bewohnern bietet der Ferienhausneubau von Bernado Bader aber nicht nur einen unverbauten Blick auf das üppige Grün der Bergregion – die Innenräume sind teils spektakulär und huldigen den Sonnenverlauf.

Das Haus am Stürcherwald liegt auf einem Grundstück, das eigentlich als unbebaubar galt: zu schmal und zu steil war das Areal, das von einer engen Serpentine umwunden wird. Um den Eingriff auf das Gelände so gering wie möglich zu halten und die Grundlage für einen Neubau zu schaffen, errichtete der österreichische Architekt Bernardo Bader einen Betonsockel. Er bildet die konstruktive Basis für das Wohnhaus. Das Volumen wirkt langgezogen und orientiert sich zum steil abfallenden Hang – und damit in südliche Himmelsrichtung. Das Haus, das als reiner Holzbau mit Satteldach gebaut wurde, ist eine Reminiszenz an die traditionellen Bautypologien des Lang- und Walserhauses. Dennoch macht der Bau deutlich, dass er nicht nur ein Rückblick sein möchte, sondern aus dem Hier und Jetzt stammt: Zu schlicht und fein detailliert ist das Fassadenbild des Hauses, dessen Optik durch helles, sägeraues Lärchenholz und großflächige Fensteröffnungen bestimmt wird.

In alle Himmelsrichtungen
Den Baukörper gliederte der Architekt horizontal, wobei Erd- und Obergeschoss an zwei Stellen über doppelgeschossige Räume miteinander verbunden sind. Alle Wohnräume und die Essbereiche befinden sich auf der unteren Ebene, darüber ordnete Bernardo Bader fünf unterschiedlich große Schlafräume an. Das Besondere bei der Raumabfolge im Erdgeschoss ist die Betonung der einzelnen Himmelsrichtungen: Eine Morgenloggia liegt am östlichen Ende des Hauses und eine Abendloggia, von der aus die Bewohner den Sonnenuntergang mitverfolgen können, platzierte Bader im Westen. Der große Wohnraum orientiert sich nach Süden und offeriert einen atemberaubenden Ausblick auf die Vorarlberger Berglandschaft. Im Obergeschoss ist die Anzahl und Größe der Fenster dagegen auf ein Minimum reduziert und betont den intimen Charakter der Schlafbereiche.

Pläne: Erdgeschoss
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Höhlenartige Räume
Im Erdgeschoss verwendete Bader ebenfalls das in der Region gewonnene Lärchenholz. Da er das Material einer anderen Oberflächenbehandlung unterzogen hatte, konnte eine feine Differenzierung zur Außenhaut entstehen. Das gehobelte und geschliffene Holz findet sich an Wand, Boden und Decke sowie als Verkleidung der Einbauschränke und Sitznischen – mit einer erstaunlich plastischen Raumwirkung. Der teilweise zweigeschossige Bereich mit seinen Dachschrägen bekommt durch die Monomaterialität etwas höhlenartiges. Die großen Fensterflächen unterstreichen diesen Eindruck. Durch radikale Öffnungen zum Außenraum wird eine besondere Verknüpfung zwischen Architektur und Natur erzeugt: eine weitere Geste des Architekten an den regionalen Kontext. So wird der Vorarlberger Neubau, der auf den ersten Blick bescheiden und unspektakulär wirkt, nicht nur zu einem überzeugenden Versuch, die traditionelle Bauweise zeitgemäß zu interpretieren – er erzeugt auch eine soziale Brücke zwischen innen und außen.

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