Vor lauter Bäumen: Traumhaus im Tarnmantel

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Text: Tim Berge, Foto: João Morgado

„Einswerden mit der Natur“ oder „sich dem Kontext anpassen“ sind beliebte Floskeln in der Architektur. Im Falle des Cloaked Houses im Norden Portugals wird aus den Worthülsen allerdings gebaute Realität. Die Architekten verzichteten auf eine blickdichte Fassade und hüllten das Gebäudeinnere vollständig in Glas. Tarnung durch Transparenz.

Von der Straße aus ist das Haus kaum wahrzunehmen. Es liegt einige Meter unterhalb des Weges und inmitten von Kastanienbäumen und wildem Grün. Ein schmaler Bach wendet sich den Hang hinunter und schafft auch ein akustisch unberührt wirkendes, natürliches Szenario. Der Neubau fügt sich seiner Umgebung mit Hingabe und versucht erst gar nicht, mit ihr in Konkurrenz zu treten. Die einzigen, von außen wahrnehmbaren Elemente, die von dem portugiesischen Architekturbüro 3r Ernesto Pereira hinzugefügt wurden, sind eine Grundebene und ein Dach aus Beton. Dazwischen spannt sich der vollständig entblößte Wohnraum auf.

Kostenlose Heizung
Die Camouflage endet nicht mit der absoluten Durchsichtigkeit: Die Architekten platzierten den länglichen Baukörper exakt zwischen den Baumbestand. Dort, wo ein Baum im Weg steht, lassen sie das Volumen einfach zurückspringen. Es entstehen Situationen, in denen der Betrachter das Haus vor lauter Bäumen nicht wahrnimmt. Und das, obwohl er direkt vor ihm steht. Auch die breite und zum Tal hin über den Hang auskragende Terrasse wird an einigen Punkten von einem Gewächs durchbohrt – Verschränkung von Architektur und Natur in Perfektion.

Für Ernesto Pereira hat das Zusammenspiel mit der Landschaft einen einfachen Beweggrund: Im Sommer wird das Haus durch das dichte Blätterwerk vor der intensiven Sonnenstrahlung geschützt. Im Winter geschieht das genaue Gegenteil: Die umliegenden Laubbäume sind kahl, wodurch die Sonne das Innere des Gebäudes erwärmen kann. Auch der Beton in Boden und Decke trägt seinen Teil zum optimalen Klima bei. Er speichert die Wärme und gibt sie als kostenloser, vollflächiger Heizkörper wieder ab.

Pläne
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Drinnen im Draußen
Die steinerne Materialität ergänzen die Architekten durch ein gleichmäßiges Stützenraster und Einbauten aus Holz. Sie unterstreichen den Wunsch nach einer guten Beziehung zwischen innen und außen. Die unmittelbare Nähe von Möbeln zur Natur, die nur durch eine Glaswand getrennt ist, bietet ein einmaliges Erlebnis, das je nach Jahreszeit variiert. Der Rest ist purer Raum, der großzügig und offen um die Objekte herum fließt und den Bewohnern des Hauses das Gefühl vermittelt, im Grünen zu leben. Dieses wundersame und beinahe poetische Projekt wurde nicht nur durch den Ort inspiriert – es ist der Ort.

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