Vorhang auf in Moskau

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Text: Judith Jenner

Über den Dächern von Moskau richteten Alexander Volkov Architects ein repräsentatives Immobilienbüro ein und arbeiteten dabei mit ungewöhnlichen Raumteilern.

Als herausragendes Beispiel der russischen Moderne wird das Gebäude in der Serebryanicheskaya Embankment 19 in Moskau gern angeführt. Das Filetstück des Backsteinbaus ist zweifellos das 180 Quadratmeter große Penthouse mit seinem weiten Blick über die Jausa, einem Nebenfluss der Moskwa. Doch für die Einrichtung eines Büros brachten die Räume einige Herausforderungen mit sich, beispielsweise das unkonventionelle Giebeldach mit Deckenhöhen von bis zu 8,50 Metern. Der offene Raum sollte zu einem „ungewöhnlichen, spektakulären und repräsentativen“ Verkaufsbüros für den Wohnkomplex NV-9 Artkvartal im Moskauer Zentrum umgestaltet werden – mit Meetingräumen und Arbeitsplätzen für die Mitarbeiter sowie ausreichend Stauraum.

Funktionale Raumteiler
Der Moskauer Architekt Alexander Volkov hat beides kombiniert: Fast bis unter die Decke reichen die beiden 3,50 Meter hohen und mit Messingpanelen verkleideten Einbauten, die parallel zueinander in der Mitte des offenen Raumes stehen und das Penthouse in einen wohnlichen Wartebereich, Arbeitsplätze für die Mitarbeiter und einen Meetingraum gliedern. Während die schmalere Funktionsbox Stauraum bietet, befinden sich in der zweiten die Teeküche und die Toilettenräume. Die Elemente dienen laut dem Architekten als räumlicher Anker, um den das Leben zirkuliert. Ihre elegante Verkleidung bildet einen spannenden Kontrast zur industriell wirkenden Decke mit den sichtbaren Rohren und den Wänden aus Sichtbeton. Zwischen ihnen grenzt eine ringförmige, fünf Meter hohe Stahlstruktur mit einem schweren, dunkelblauen Vorhang den Meetingraum optisch und akustisch ab. Mit Vorhängen verkleidete Wände unterstreichen die Gliederung des Raumes.

Architektur im Fokus
Gegenüber des Eingangs wird ein Architekturmodell von NV-9 Artkvar auf einem maßgefertigten Tisch durch eine von Alexander Volkov entworfene Leuchte mit 25 Glühbirnen in Szene gesetzt. Es steht neben dem lichtdurchfluteten Wartebereich, dessen Möbel und Teppiche sehr minimalistisch wirken. Stühle und Sessel sind in neutralen Grautönen bezogen. Dazu passen die dezenten Kunstwerke und vereinzelte Zimmerpflanzen

Dank zugleich funktionaler und ästhetisch ansprechender Raumteiler gelingt es Alexander Volkov, ein Penthouse mit Industriecharme in ein edles Büro zu verwandeln. Er spielt auf gekonnte Weise mit der rauen Ästhetik des Raumes und unterstreicht mit seinen funktionalen Raumteilern die Architekturkompetenz der Immobilienverkäufer.

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