WG mit Wüste: Glashaus in Andalusien

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Text: Anne Meyer-Gatermann, Foto: Gonzalo Botet und José Navarrete

Es ist ein Wohnkristall in der Wüste. Das Glass House lädt die Natur in Bad, Schlaf- und Wohnzimmer ein – und schützt die Bewohner trotzdem vor Hitze, Kälte und Sonnenbrand.



Am Horizont schiebt sich Sandstein zu einem Gebirge, der Himmel darüber ist taubenblau und die Sonne wirft goldenes Licht auf struppiges Gras und rote Erde, dazwischen ist helles Geröll gestreut. Die Landschaft der andalusischen Wüste bei Gorafe ist eine stimmige Komposition aus Farben und Formen. Was kann man einer Natur hinzufügen, die so in sich ruht, so harmonisch und gleichzeitig spektakulär ist? Einen Neubau an so einen Ort zu setzen, ist immer heikel, weil es leicht die Harmonie aus dem Gleichgewicht bringen kann.


Die Architekten von Ofis aus Ljubijana haben sich dieser Herausforderung gestellt, indem sie die Natur in das Haus einladen. Wie der Name schon verrät, besteht das Glass House beinahe komplett aus Glas und wirkt wie ein Kristall, eingefasst in Metall. Auch der Grundriss des 20-Quadratmeter-Refugiums ist kristallin. In dessen Mitte gibt es lediglich einen geschlossenen Kern, in dem sich die Toilette verbirgt. Falls es die Bewohner auch in Bad, Schlaf- und Wohnzimmer etwas privater möchten, gibt es Vorhänge. Diese schützen nicht nur vor fremden Blicken, sondern vor allem auch vor der Sonne.



Foto: Gonzalo Botet

Wer soll in dieser Mondlandschaft schon hineinlinsen? Seinen Reiz zieht das Glass House aus seiner Offenheit. Felsen, Gestrüpp und Schattierungen des Himmels reflektieren an den gläsernen Wänden. Die Sonne glasiert die Wände mit schönen, immer wieder neuen Lichtspektren. Wer im Glashaus sitzt, wird von Natur umfangen.



Doch auch wenn die Landschaft um Gorafe bezaubernd wirkt – sie kann durchaus ungemütlich werden. Es ist schließlich eine Wüste, auch „Badlands“ genannt. Die Temperaturen schwanken je nach Jahreszeit um 50 Grad – eine weitere Herausforderung, an der ein Team aus Ingenieuren und Energieberatern von AKT II aus London und Mitarbeiter von Transsolar Energietechnik aus München gearbeitet haben. Initiiert hat das Projekt Guardian Glass – um zu zeigen, wie sich ihre Produkte unter widrigen Umständen beweisen können.



Pläne
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Verschiedene Glastypen wurden verbaut, die das Innere dieses begehbaren Kaleidoskops gegen Hitze, Kälte und UV-Licht schützen. Das Planungsteam hat seine Kenntnisse gebündelt, um den Bewohnern des Glass House auch in der Wüste Komfort bieten zu können. Nur auf eine Küche müssen sie verzichten. Nachts kann man sich umfangen von einem spektakulären Sternenhimmel in die Kissen sinken lassen. Die außergewöhnliche Unterkunft soll künftig auch über Airbnb buchbar sein.

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